Digitaler Euro: Balz betont Chance für Europas Souveränität und Innovation
Burkhard Balz von der Deutschen Bundesbank stellte den digitalen Euro als Chance für Europas Zahlungsverkehr vor. Er betonte dessen Potenzial für Souveränität, Innovation und Datenschutz.
Europas Weg zur digitalen Souveränität
Burkhard Balz skizzierte die Vision eines digitalen Euros als zukunftsfähige, einheitliche europäische Zahlungslösung.
Diese soll technologisch führend sein, Innovationen ermöglichen und Europas Unabhängigkeit sowie Resilienz stärken.
Die Einführung ist für 2029 geplant, der rechtliche Rahmen soll Ende 2026 stehen.
Ein zentrales Argument ist die strategische Autonomie: Aktuell dominieren Visa und Mastercard fast zwei Drittel der Kartenzahlungen im Euroraum; 13 von 21 Ländern haben kein eigenes nationales Kartensystem.
'Wir sind heute zu abhängig von US-Konzernen im Zahlungsverkehr', so Balz.
Der digitale Euro wäre die erste digitale Zahlungslösung auf europäischer Infrastruktur.
Zudem wird höchster Datenschutz versprochen: Das Eurosystem wird keine individuellen Zahlungen verfolgen, und Offline-Nutzung bietet nahezu Anonymität.
Eine Forsa-Umfrage zeigte, dass 74 Prozent der Befragten Datenschutz als wichtigstes Merkmal sehen.
Trotzdem besteht erheblicher Aufklärungsbedarf, da nur 42 Prozent der Befragten vom digitalen Euro gehört hatten und nur ein Viertel dessen Funktion kannte.
Vorteile für Nutzer und Handel
Der digitale Euro soll bargeldloses Bezahlen einfach, sicher und grenzüberschreitend im gesamten Euroraum ermöglichen.
Er ist als digitaler 'Zwilling' zum Bargeld gedacht, nicht als Ersatz, und soll auch offline nutzbar sein.
Für Händler stellt er eine kostengünstige Alternative zu bestehenden digitalen Zahlungsmitteln dar und soll den Wettbewerb im Zahlungsmarkt anregen.
Balz widersprach Kritikern, die befürchten, private Initiativen könnten untergraben werden.
Stattdessen könnten private Lösungen wie Wero vom digitalen Euro profitieren, etwa durch Integration in die Wero-Wallet – eine Win-Win-Situation.
Zudem soll der digitale Euro zukünftige Innovationen wie bedingte Zahlungen ermöglichen, bei denen beispielsweise ein Paket erst bei Erhalt bezahlt wird.
Mehr als nur ein Zahlungsmittel
Balz positioniert den digitalen Euro als strategisches Projekt für Europas Souveränität im Zahlungsverkehr, weit über ein reines Zahlungsmittel hinaus.
Trotz geringer öffentlicher Bekanntheit und Bedenken aus dem Privatsektor unterstreicht die Bundesbank die Notwendigkeit einer eigenen europäischen Infrastruktur.
Der Erfolg hängt maßgeblich von der Akzeptanz bei Bürgern und Händlern sowie der nahtlosen Integration in bestehende Systeme ab.