Nagel: EZB reagiert bei Inflation nur auf nachhaltige Abweichungen
Bundesbank-Präsident Joachim Nagel betonte in Karlsruhe, dass die EZB bei der Zinspolitik nicht auf kurzfristige Inflationsschwankungen reagieren sollte. Die Notenbank agiere nur bei nachhaltigen Abweichungen vom Zwei-Prozent-Ziel.
Die Heizung nicht sofort aufdrehen
Bundesbank-Präsident Nagel verglich die Geldpolitik mit einer Fußbodenheizung: Man drehe den Thermostat nicht bei jeder Wetterlaune sofort auf.
"Wir ergreifen Maßnahmen, wenn die mittelfristige Projektion der Inflationsrate nachhaltig und deutlich von unserem Zwei-Prozent-Ziel abweicht," so Nagel.
Kleine, temporäre Abweichungen, besonders bei volatilen Energiepreisen, erforderten keine Kursänderung, solange die Inflationserwartungen verankert seien.
Die Eurozone verzeichnete im Januar 2026 eine Inflation von 1,7 Prozent.
Die Eurosystem-Mitarbeiter prognostizieren für 2026 eine Inflation von 1,9 Prozent, für 2027 von 1,8 Prozent und für 2028 wieder 2,0 Prozent.
Die Kerninflation lag im Dezember 2025 bei 2,3 Prozent und im Januar 2026 bei 2,2 Prozent.
Nagel betonte die drei Faktoren für Zinsentscheidungen: Inflationsaussichten, Dynamik der zugrunde liegenden Inflation und Stärke der geldpolitischen Transmission.
Digitaler Euro als Unabhängigkeitserklärung
Einleitend sprach Nagel über die Zukunft des Geldes und den digitalen Euro.
Dieser sei eine digitale Ergänzung zum Bargeld, unabhängig von nicht-europäischen Anbietern und widerstandsfähig in Krisenzeiten.
Fast zwei Drittel aller Kartenzahlungen in Europa würden von nicht-europäischen Anbietern abgewickelt, eine Abhängigkeit, die der digitale Euro beenden könnte.
Danach widmete sich Nagel dem Wert des Geldes und der Preisstabilität.
Das vorrangige Ziel der EZB sei die Wahrung der Preisstabilität, definiert als eine mittelfristige Inflation von 2 Prozent.
Dieses Ziel sei symmetrisch, was bedeutet, dass sowohl positive als auch negative Abweichungen unerwünscht sind.
Die mittelfristige Ausrichtung berücksichtige die Zeitverzögerung der Geldpolitik und temporäre Inflationsschwankungen.
Geduld ist die neue Tugend
Nagels Rede ist ein klares Plädoyer für eine datenabhängige und geduldige Geldpolitik, die sich nicht von kurzfristigen Schwankungen irritieren lässt.
Sie unterstreicht die Entschlossenheit der EZB, das Zwei-Prozent-Ziel nachhaltig zu erreichen, ohne dabei die Glaubwürdigkeit durch voreilige Schritte zu gefährden.
Für die Märkte ist dies ein Signal, dass die EZB trotz aktuell niedrigerer Inflationsraten weiterhin auf Sicht fährt und keine schnellen Zinssenkungen in Aussicht stellt.