Masu: US-Zölle und Inflationsdruck fordern Japans Geldpolitik heraus
Kazuyuki Masu, Mitglied des Policy Board der Bank of Japan, analysiert die wirtschaftliche Entwicklung, Preise und Geldpolitik Japans. Er beleuchtet die Auswirkungen der US-Zollpolitik und die Treiber der Inflation.
US-Zölle: Weniger dramatisch als erwartet
Die Auswirkungen der US-Zollpolitik auf Japan fielen weniger dramatisch aus als befürchtet.
Obwohl Zölle von bis zu 12,5 Prozent auf japanische Automobile erhoben wurden, stützten die Yen-Abwertung und die Fähigkeit der Hersteller, Kosten zu schultern, die Exportleistung.
Auch die US-Wirtschaft zeigte sich widerstandsfähig, mit stabiler Konsumtätigkeit und nur leicht schwächerer, aber nicht drastisch verschlechterter Beschäftigung.
Der US-Handelsdefizit verengte sich zwar, doch Masu mahnt zur Vorsicht bei der Interpretation.
Für Japans Wirtschaft signalisiert der Tankan-Index für Geschäftsbedingungen mit +17 den höchsten Stand seit 2018, was auf eine robuste Entwicklung hindeutet.
Ein temporärer Rückgang des BIP im Juli-September 2025 war eher auf neue Wohnungsbauregeln und vorgezogene Exporte zurückzuführen als auf Zölle.
Reispreise und Arbeitskräftemangel treiben Inflation
Japans Wirtschaft hat die Deflation hinter sich gelassen, mit einer VPI-Inflation von über 2 Prozent.
Der Dezember-VPI 2025 lag bei 2,1 Prozent, was die BoJ-Prognose stützt, dass die Rate in H1 2026 unter 2 Prozent fallen wird, da Nahrungsmittelpreiseffekte nachlassen.
Masu beleuchtet verschiedene Inflationstreiber: gestiegene Nachfrage (z.B. Hotelpreise durch Tourismus) und Angebotsengpässe wie der Arbeitskräftemangel im Logistiksektor.
Der bedeutendste Faktor sind jedoch die Nahrungsmittelpreise, insbesondere Reis, dessen Preise sich 2025 verdoppelten.
Auch verarbeitete Lebensmittel ohne Reis verzeichneten Preissteigerungen von 5-6 Prozent.
Dies deutet auf einen breiteren Inflationsdruck hin, der über die Stabilisierung der Reispreise hinausgehen könnte und Masus persönliche Aufmerksamkeit erfordert.
Zinspolitik im Spannungsfeld
Die Analyse von Real- und Neutralzinsen verdeutlicht die heikle Lage der japanischen Geldpolitik.
Obwohl der Leitzins im Dezember 2025 auf 0,75 Prozent erhöht wurde, verbleibt der Realzins tief im negativen Bereich, während der geschätzte Neutralzins-Korridor bei 1,0 bis 2,5 Prozent liegt.
Dies untermauert einen begrenzten Spielraum für weitere Zinserhöhungen und erfordert eine datenabhängige und vorsichtige Haltung der BoJ bei zukünftigen Entscheidungen.