Arbeitsmarktströme: Neue Messgröße prognostiziert Inflation in den USA
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Arbeitsmarktströme: Neue Messgröße prognostiziert Inflation in den USA

Eine neue Studie der BIZ zeigt: Arbeitsmarktströme liefern wertvolle Einblicke in die künftige Lohn- und Preisinflation. Die 'Arbeitslosigkeitslücke' erweist sich als präziser Inflationsindikator für die USA.

Arbeitslosigkeitslücke als Inflationsbarometer

Eine neue empirische Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) präsentiert eine innovative Messgröße: die 'Arbeitslosigkeitslücke'.

Diese definiert sich als die Differenz zwischen der durch aktuelle Arbeitsmarktübergänge implizierten Arbeitslosenquote ('flussbasierte Arbeitslosigkeit') und der beobachteten ('bestandsbasierten') Arbeitslosenquote.

Die Autoren Enisse Kharroubi und Marius Koechlin zeigen anhand von Daten aus den Vereinigten Staaten, dass diese Lücke wertvolle Einblicke in die zukünftige Lohn- und Preisinflation liefert.

Insbesondere tendieren inflationäre Drücke dazu, nachzulassen, wenn die Arbeitslosigkeitslücke positiv wird – also wenn die flussbasierte Arbeitslosigkeit die bestandsbasierte übersteigt.

Die Studie belegt eine auffallend starke negative Korrelation zwischen der Arbeitslosigkeitslücke und der zwölf Monate im Voraus liegenden Kerninflation (Core CPI).

Die ökonomische Signifikanz ist beträchtlich: Eine Ausweitung der Lücke um einen Prozentpunkt, die einem Anstieg der Arbeitslosenquote über die nächsten zwölf Monate entspricht, führt zu einem Rückgang der Kerninflation um 1,3 Prozentpunkte.

Die Ergebnisse legen nahe, dass die Steigung der Phillips-Kurve steiler ist als bisher geschätzt.

Modell erklärt Lohn- und Preisdynamik

Zur weiteren Untersuchung dieser Beziehung entwickeln die Ökonomen ein Such- und Matching-Modell, das nominale Lohnrigiditäten und persistente Schocks berücksichtigt.

In diesem Rahmen behalten Unternehmen die Fähigkeit, Löhne mit Neueinstellungen frei zu verhandeln, auch wenn bestehende Arbeitskräfte mit starren Löhnen konfrontiert sind.

Die Verhandlungsmacht der Unternehmen wird dabei endogen und hängt sowohl von der bestands- als auch von der flussbasierten Arbeitslosigkeit ab.

Konsistent mit den empirischen Ergebnissen zeigt das Modell, dass eine größere Arbeitslosigkeitslücke – ob durch höhere flussbasierte oder niedrigere bestandsbasierte Arbeitslosigkeit bedingt – typischerweise zu niedrigeren Löhnen führt.

Dies gilt unter der Voraussetzung, dass Schocks auf die Übergangswahrscheinlichkeiten ausreichend persistent sind.

Ein Blick hinter die statischen Zahlen

Diese Studie beleuchtet die Grenzen traditioneller Arbeitslosenquoten und bietet einen dringend benötigten dynamischen Blick auf den Arbeitsmarkt.

Sie zeigt auf, dass Zentralbanken ihre Inflationsprognosen erheblich verbessern könnten, indem sie über statische Bestandszahlen hinausgehen.

Die Integration flussbasierter Indikatoren könnte somit zu präziseren geldpolitischen Entscheidungen führen.