Geldpolitik am ELB: Lernprozesse bei Schocks
Private Akteure lernen neue geldpolitische Strategien an der effektiven Untergrenze (ELB) von Zinsen anders, wenn plötzliche Inflations- oder Deflationsschocks auftreten. Eine neue BIZ-Studie untersucht die Dynamik des Lernprozesses und seine Anfälligkeit für externe Einflüsse.
Das Timing der Zinsanhebung ist entscheidend
Die Studie analysiert, wie private Akteure eine neue asymmetrische Strategie zur durchschnittlichen Inflationssteuerung erlernen, die darauf abzielt, die disinflationäre Tendenz der effektiven Untergrenze (ELB) zu bekämpfen.
Die kritischste Phase für diesen Lernprozess erstreckt sich von dem Zeitpunkt, an dem die Zinsen unter der alten Strategie nahe einer Anhebung wären, bis zu den frühen Phasen einer Zinsanhebung unter der neuen Regel.
Rezessionsschocks in dieser Zeit können das Lernen verzögern, während große Inflationsschocks es gänzlich unterbrechen könnten.
Dies hemmt die Fähigkeit der neuen Strategie, die mit der ELB verbundenen Kosten zu mindern.
Die Autoren nutzen die US-Erfahrung nach Covid als Beispiel und stellen fest, dass geldpolitische Schocks erhebliche Rückwirkungen auf den Lernprozess haben können.
Die Glaubwürdigkeit der neuen Strategie muss genau in dieser Phase etabliert werden, um ihre langfristigen Vorteile zu sichern.
Lernprozess unter Unsicherheit
Die Einführung neuer geldpolitischer Strategien an der ELB ist eine Herausforderung, da die Akteure keine Ko-Bewegung zwischen Wirtschaftsindikatoren und Zinssätzen beobachten können, um Rückschlüsse zu ziehen.
Die Studie zeigt, dass der Lernprozess zum Erliegen kommt, wenn die Wirtschaft in eine disinflationäre Rezession zurückfällt oder wenn eine hohe Inflation das Inflationsziel schnell erfüllt.
In diesen Szenarien wird das Lernen beeinträchtigt, da die Akteure die geldpolitische Haltung der Zentralbank nicht eindeutig beobachten können.
Dies steht im Gegensatz zu theoretischen Modellen, die von vollständig rationalen Akteuren und perfekter Glaubwürdigkeit ausgehen.
Die Realität ist komplexer, da neue Strategien erlernt und ihre Glaubwürdigkeit etabliert werden müssen, was durch unvorhergesehene Schocks erschwert wird.
Die Arbeit betont die Notwendigkeit, die Volatilität geldpolitischer Schocks zu verstehen, die von diskretionären Maßnahmen der Zentralbank herrühren können.