Kganyago: Schocks, Ungleichgewichte, EM-Resilienz
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Kganyago: Schocks, Ungleichgewichte, EM-Resilienz

Lesetja Kganyago, Gouverneur der südafrikanischen Zentralbank, analysiert globale Schocks und Ungleichgewichte. Er betont die wachsende Resilienz vieler Schwellenländer trotz geopolitischer Risiken und hoher Staatsverschuldung.

Geopolitik, Schulden, Ungleichgewichte und Märkte

Lesetja Kganyago identifiziert vier zentrale Herausforderungen für die Weltwirtschaft: Geopolitik, Staatsverschuldung, globale Ungleichgewichte und Finanzmarktinstabilität.

Geopolitische Konflikte, wie in der Ukraine und im Nahen Osten, verursachen Angebotsschocks, die Inflation treiben und die Produktion dämpfen.

Für die Geldpolitik sind diese komplexer zu handhaben als Nachfrageschocks.

Die südafrikanische Zentralbank (SARB) kann globale Ölpreise nicht beeinflussen, aber Erwartungen steuern, um die Inflation nach Schocks zum Ziel zurückzuführen.

Eine klare Kommunikation und gegebenenfalls Zinsanpassungen sind hierfür entscheidend.

Ein weiteres Risiko ist die steigende Staatsverschuldung, die nicht mehr nur ein Problem ärmerer Länder ist.

Die US-Schuldenquote liegt bei über 120 Prozent des BIP, dem höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg.

Politische Bereitschaft zur Reduzierung fehlt oft, während neue Ausgaben für Verteidigung und Renten entstehen.

Südafrika hat nach der globalen Finanzkrise schmerzhafte Erfahrungen mit steigender Verschuldung gemacht und verfolgt nun eine entschlossene fiskalische Anpassung.

Globale Ungleichgewichte und Marktgefahren

Globale Ungleichgewichte, insbesondere zwischen den USA (große Defizite) und China (große Überschüsse), stellen eine weitere Herausforderung dar.

Die Welt tut sich schwer, diese effektiv zu managen, da die üblichen Korrekturmechanismen bei der größten Volkswirtschaft der Welt nicht greifen.

Eine koordinierte makroökonomische Neuausrichtung wäre ideal, ist aber unwahrscheinlich.

Hinzu kommen Finanzmarktrisiken: Private Kreditmärkte sind auf 2,5 Billionen US-Dollar angewachsen, mit begrenzter Transparenz und Liquidität.

Auch die extremen Bewertungen von KI-Unternehmen geben Anlass zur Sorge, da der Markt ein Best-Case-Szenario einpreist, das unwahrscheinlich ist.

Resilienz durch Reformen

Trotz globaler Herausforderungen zeigen Schwellenländer wie Südafrika wachsende Resilienz, gestützt durch starke Politikrahmen und Glaubwürdigkeit.

Die alte Unterscheidung zwischen fortgeschrittenen und aufstrebenden Volkswirtschaften verwischt zunehmend, da erstere teils regressieren, während letztere aus Fehlern lernen.

Für Südafrika ist die Fortsetzung heimischer Reformen der einzige Weg, um Stabilität und Wachstum zu sichern und von Marktdifferenzierung zu profitieren.