Nichtbankensektor: FSB veröffentlicht Leitlinien für Liquidität bei Margin Calls
Der Finanzstabilitätsrat (FSB) hat im Dezember 2024 Leitlinien zur Verbesserung der Liquiditätsvorsorge im Nichtbanken-Finanzsektor (NBFI) veröffentlicht. Diese sollen die Fähigkeit von NBFI-Einheiten stärken, Liquiditätsanforderungen aus Margin- und Collateral-Calls zu managen.
Lehren aus Archegos und LDI-Stress
Jüngste Marktturbulenzen, wie der Kollaps von Archegos Capital (2021) oder der Stress bei britischen Liability-Driven Investment (LDI)-Fonds (September 2022), zeigten, dass schnelle Anstiege von Margin- und Collateral-Anforderungen Liquiditätsengpässe im Finanzsystem verstärken können.
Der Finanzstabilitätsrat (FSB) identifizierte daraufhin Schwachstellen im Liquiditätsrisikomanagement, bei Stresstests und in den Collateral-Praktiken des Nichtbanken-Finanzsektors (NBFI).
Hauptschwachstellen sind Leverage, Konzentrationsrisiken, operationelle Ineffizienzen und fehlende harmonisierte Regulierungsrahmen.
Diese Probleme werden durch die Vernetzung der Finanzmärkte verschärft.
Der FSB-Bericht vom Dezember 2024 bietet politische Leitlinien zur Verbesserung der Fähigkeit von NBFI-Einheiten, Liquiditätsanforderungen aus Margin- und Collateral-Calls in Derivate- und Wertpapiermärkten zu managen.
Er deckt Versicherungen, Pensionsfonds, Hedgefonds, Investmentfonds, Family Offices und Rohstoffhändler ab.
Acht Empfehlungen für mehr Resilienz
Die FSB-Empfehlungen ergänzen bestehende internationale Standards und sind aufgrund ihrer sektorübergreifenden Natur hochrangig formuliert.
Sie müssen proportional auf das zugrunde liegende Risiko jeder NBFI-Aktivität angewendet werden.
Standardsetzer und nationale Behörden sind aufgerufen, die Empfehlungen für ihre spezifischen Sektoren zu fördern und ihre eigenen Standards zu überprüfen.
Die acht Empfehlungen gliedern sich in drei Hauptbereiche: Liquiditätsrisikomanagement (Integration in Rahmenwerke, Risikotoleranzen, Notfallpläne, regelmäßige Überprüfung), Liquiditätsstresstests (regelmäßige Durchführung mit historischen/hypothetischen Szenarien, Berücksichtigung von Konzentrationen und Hebelwirkungen) und Collateral-Management (operationelle Resilienz, ausreichende/diversifizierte Sicherheiten, aktives Engagement mit Gegenparteien).
Ein längst überfälliger Weckruf
Die FSB-Leitlinien sind ein wichtiger Schritt zur Stärkung der Finanzstabilität im oft übersehenen Nichtbankensektor.
Sie adressieren systemische Schwachstellen, die sich in jüngsten Krisen manifestierten, und fordern eine proaktive Anpassung der Risikomanagementpraktiken.
Ihre Wirksamkeit hängt jedoch stark von der konsequenten Umsetzung durch nationale Behörden und die betroffenen Institute ab.