De Guindos: Eurozone vor tiefgreifenden Transformationen und Risiken
EZB-Vizepräsident Luis de Guindos warnt vor einer Ära globaler Unsicherheit, die Wachstum, Inflation und Finanzstabilität in der Eurozone beeinflusst. Geopolitische Spannungen und Handelsstörungen erfordern erhöhte Wachsamkeit.
Globale Unsicherheit bremst Wachstum
Die Weltwirtschaft durchläuft eine Phase tiefgreifender Transformationen, geprägt von erhöhter Unsicherheit, US-Politikverschiebungen und der Erosion des multilateralen Handelssystems.
De Guindos betonte, dass die Einführung substanzieller US-Zölle Handelsströme gestört und das Vertrauen geschwächt habe.
Diese Entwicklungen wirken sich auf das Wachstum in der Eurozone aus, indem sie Investitionsentscheidungen verzögern und Haushalte zu erhöhten Vorsichtsmaßnahmen beim Sparen veranlassen.
Trotzdem zeigte sich die Wirtschaft widerstandsfähig, mit einem Wachstum von 0,3 Prozent im dritten Quartal 2025, getragen von Dienstleistungen, Konsum und Investitionen.
Die Inflation lag im Dezember bei 2,0 Prozent, während die Kerninflation leicht zurückging.
Die EZB-Projektionen sehen eine Stabilisierung der Inflation bei 2 Prozent mittelfristig vor.
Finanzstabilität unter Druck
Die Finanzstabilität der Eurozone bleibt angesichts überhöhter Bewertungen in konzentrierten Asset-Märkten und Liquiditätsrisiken im Nichtbankensektor erhöht.
De Guindos hob die zunehmenden Verflechtungen zwischen Banken und Nichtbanken hervor, während private Märkte intransparent bleiben.
Geopolitische Risiken können abrupte Stimmungsumschwünge auslösen, die sich über verschiedene Anlageklassen und Regionen ausbreiten.
Besonders gefährdet sind Länder mit hoher Handelsabhängigkeit oder Staatsverschuldung.
Die Inflation könnte sowohl durch sinkende Nachfrage als auch durch fragmentierte Lieferketten beeinflusst werden.
Die Materialisierung geopolitischer Risiken könnte zudem zu scharfen, korrelierten Asset-Preisanpassungen führen, die den Nichtbankensektor und durch Interlinkages auch Banken belasten.
Mehr Europa ist die einzige Antwort
Angesichts dieser Herausforderungen ist die Stärkung der europäischen Resilienz unerlässlich.
De Guindos fordert eine Vertiefung der europäischen Integration und die Vollendung der Bankenunion, um die Fragmentierung zu überwinden.
Nur durch verstärkte Zusammenarbeit kann Europa seine Wachstumsaussichten verbessern und seine Anfälligkeit für zukünftige Schocks reduzieren.
Die Zeit für zögerliches Handeln ist vorbei.