De Guindos warnt vor Turbulenzen und fordert europäische Integration
BIS Speech Read in English

De Guindos warnt vor Turbulenzen und fordert europäische Integration

EZB-Vizepräsident Luis de Guindos mahnt angesichts geopolitischer Turbulenzen zu erhöhter Wachsamkeit. Er fordert eine tiefere europäische Integration zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit.

Nahost-Krieg drückt Wachstum, treibt Inflation

De Guindos betont die anhaltende Unsicherheit durch geopolitische Konflikte, insbesondere den Krieg im Nahen Osten.

Dieser stelle ein akutes Risiko für die Finanzstabilität dar, da etwa 20 Prozent des weltweiten Öl- und Flüssiggasverkehrs durch die Straße von Hormus verlaufen.

Die EZB-Mitarbeiter erwarten, dass das jährliche Wachstum im Euroraum in diesem Jahr auf durchschnittlich 0,9 Prozent sinken wird, bevor es in den Folgejahren wieder über 1 Prozent steigt.

Die Inflationsprognosen wurden ebenfalls nach oben korrigiert; für dieses Jahr wird eine durchschnittliche Teuerungsrate von 2,6 Prozent erwartet, die sich anschließend dem 2-Prozent-Ziel annähern soll.

Trotz dieser Herausforderungen habe der EZB-Rat in der Vorwoche die Leitzinsen unverändert gelassen, um datenabhängig auf die Entwicklung reagieren zu können.

Die Kerninflation in Estland erreichte im August 2022 einen Höchststand von 25 Prozent, was die Anfälligkeit für externe Schocks verdeutlicht.

Fragmentierung hemmt Europas Potenzial

Als offene Wirtschaft ist der Euroraum stark externen Schocks ausgesetzt.

Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und Drittländern, etwa bei digitalen Zahlungen, unterstreicht Europas Anfälligkeit.

Interne Marktfragmentierung hemmt Investitionen und Innovation, während die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber China leidet.

De Guindos nennt vier Prioritäten zur Stärkung Europas.

Dazu gehören die Vollendung des Binnenmarktes, insbesondere im Dienstleistungssektor, wo eine Beseitigung von Barrieren den Intra-EU-Handel um fast 15 Prozent steigern könnte.

Eine weitere Priorität ist der Aufbau einer echten Spar- und Investitionsunion, um Europas hohes Sparvolumen in produktive Investitionen zu lenken.

Dies erfordert die Harmonisierung regulatorischer Rahmenwerke und eine integrierte Kapitalmarktüberwachung.

Digitaler Euro als strategischer Pfeiler

Technologische Souveränität ist entscheidend, wobei der digitale Euro als europäische Option die Abhängigkeit von ausländischen Intermediären mindert und die Widerstandsfähigkeit stärkt.

Gleichzeitig muss die regulatorische Vereinfachung die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzsektors fördern, ohne die aufgebaute Resilienz zu gefährden.

De Guindos' Fazit ist unmissverständlich: Nur tiefere europäische Integration schützt die EU vor künftigen Schocks und sichert ihren Wohlstand.