Stablecoins: Regulierung kann Stabilität erhöhen
Eine neue BIZ-Studie modelliert Stablecoin-Emittenten und zeigt: Kapital- und Liquiditätsschwellen können Ausfallrisiken und systemische Spillover-Effekte mindern. Die Schwellen wirken asymmetrisch, sind aber komplementär für Regulierer mit dualen Zielen.
Das Dilemma der Stablecoin-Emittenten
Stablecoin-Emittenten optimieren ihre Kapital-, Kassen- und Anleihebestände unter anhaltenden Stablecoin-Flüssen.
Ohne Regulierung halten sie wenig Kapital und bevorzugen zinstragende, aber weniger liquide Anleihen gegenüber Bargeld.
Dies setzt Coin-Inhaber Ausfallrisiken aus und birgt systemische Spillover-Effekte durch Preisbeeinflussung bei Notverkäufen von Anleihen.
Die Studie untersucht, wie Regulierung diese Risiken mindern kann.
Sie betrachtet Kapital- und Liquiditätsschwellen als nutzbare Puffer, die im Stressfall überschritten werden können, aber Emittenten disziplinieren, indem sie zusätzliche Rücknahmen auslösen und so Stablecoin-Flüsse endogenisieren.
Die Liquiditätsschwelle erhöht nur die Kassenbestände, während die Kapitalschwelle sowohl Kapital als auch Kassenbestände erhöht.
Schwellenwerte: Substitut oder Komplement?
Beide Schwellenwerte – Liquiditäts- (LR) und Kapitalquoten-Schwellen (CR) – mindern Ausfall- und Spillover-Risiken, was sie als Substitute erscheinen lässt.
Für Regulierer, die jedoch sowohl mikroprudenzielle Ziele (Ausfallwahrscheinlichkeit des Emittenten) als auch makroprudenzielle Ziele (erwarteter Preisimpakt aus Anleiheverkäufen) verfolgen, sind sie komplementär.
Das kalibrierte Modell bietet eine wechselseitige Abbildung zwischen regulatorischen Schwellenwerten und Politikzielen.
Eine niedrige Kalibrierung der LR- und CR-Schwellenwerte führt zu einer wöchentlichen Ausfallwahrscheinlichkeit des Emittenten von etwa 0,7 Basispunkten und einem erwarteten Preisimpakt von 2,7 Basispunkten unter Stressbedingungen.
Dies ist deutlich niedriger als die über 15 Basispunkte Ausfallwahrscheinlichkeit und 4 Basispunkte Preisimpakt im unregulierten Fall.
Ein praktischer Leitfaden für Regulierer
Die Studie liefert eine wichtige quantitative Grundlage für die Gestaltung von Stablecoin-Regulierungen.
Insbesondere die kalibrierte Zwei-Wege-Abbildung zwischen Schwellenwerten und Politikzielen bietet konkrete Orientierung für Aufsichtsbehörden.
Während die Erkenntnisse teilweise Parallelen zur Bankenregulierung aufweisen, rechtfertigen die spezifischen Bilanzrigiditäten und Risikoprofile von Stablecoins einen maßgeschneiderten Ansatz.
Die Betonung der Liquiditäts- und Kapitalanforderungen als komplementäre Instrumente ist ein zentraler Beitrag zur aktuellen Debatte.