Kocher: EZB muss mit Heterogenität leben lernen
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Kocher: EZB muss mit Heterogenität leben lernen

OeNB-Gouverneur Martin Kocher fordert eine optimistischere Sicht auf Heterogenität in der Geldpolitik des Euroraums. Er argumentiert, dass diese kein Hindernis darstellt, sondern ein Teil der DNA des Euroraums ist.

Das Schreckgespenst der Heterogenität

In liberalen Demokratien wird Vielfalt als Stärke gefeiert, doch im "geldpolitischen Dorf" am Main wird Heterogenität mit Sorge betrachtet.

OeNB-Gouverneur Martin Kocher hinterfragt diese "Spielverderber"-Haltung der EZB-Politiker.

Eine Analyse von über 330 Reden von EZB-Direktoriumsmitgliedern zwischen 1999 und 2026 zeigt, dass Erwähnungen von Heterogenität systematisch mit negativeren Zinsüberraschungen und fallenden Aktienkursen verbunden sind.

Dies deutet auf eine negative "Zentralbank-Informationsüberraschung" hin, bei der Finanzmärkte primär Besorgnis hören.

Kocher betont jedoch, dass Heterogenität in Entscheidungsgremien wie dem EZB-Rat sogar eine Stärke ist, die vor Gruppendenken schützt und für bessere Entscheidungen sorgt.

Er plädiert für mehr Vielfalt im Rat, insbesondere im Hinblick auf die Geschlechterverteilung.

Strukturelle Unterschiede sind kein Problem

Kocher weist die Annahme zurück, dass strukturelle makroökonomische Heterogenität – wie ungleichlaufende nationale Konjunkturzyklen – die Märkte am meisten beunruhigt.

Er bezeichnet dies als "Schnee von gestern", da geldpolitische Kompromisse stets Teil des Geschäfts seien und selbst eine hypothetisch homogene Währungsunion nicht der "Mutter aller geldpolitischen Kompromisse", der Phillips-Kurve, entgehen könne.

Zudem sei strukturelle Heterogenität keine "Pathologie" des Euroraums, sondern Teil seiner DNA, die sich seit 1999 durch die gemeinsame Geldpolitik sogar verringert habe.

Die wahre Herausforderung sieht Kocher in der ungleichmäßigen Transmission der Geldpolitik, die ein einheitliches Signal in eine Kakophonie unterschiedlicher Stärken verwandeln kann und im Extremfall zu Fragmentierung führen kann.

Magische Tränke gegen Fragmentierung

Trotz der Herausforderungen der ungleichmäßigen Transmission ist Kocher optimistisch.

Er verweist auf die gestärkte "Stimme" durch intensive Forschung und die Verfügbarkeit granularer Daten, die ein besseres Verständnis der Transmissionskanäle ermöglichen.

Zudem besitzt die EZB mit Instrumenten wie dem Transmissionsschutzinstrument (TPI) und Outright Monetary Transactions (OMT) "magische Tränke", um Fragmentierungsrisiken zu begegnen.

Dies deutet darauf hin, dass die EZB gut gerüstet ist, um mit den verbleibenden Formen der Heterogenität umzugehen.