Kocher: Starker Euro sichert Europas Stabilität
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Kocher: Starker Euro sichert Europas Stabilität

Martin Kocher, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, betonte auf der Lámfalussy Lectures Conference die Notwendigkeit eines starken Euros. Er sieht die Gemeinschaftswährung als entscheidenden Stabilitätsanker in einer sich wandelnden Weltordnung.

Euro als globaler Stabilitätsanker

Martin Kocher, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, betonte die Notwendigkeit eines starken Euros in einer sich rasch wandelnden Welt.

Er illustrierte dies am Beispiel eines fiktiven ungarischen Autoteileherstellers namens 'Onlyup', der mit dem Tempo des demografischen Wandels, neuen Technologien, Protektionismus und Interventionismus zu kämpfen hat.

In diesem Kontext habe sich der Euro innerhalb von 25 Jahren als zweitwichtigste internationale Währung etabliert.

Ein Fünftel der globalen Devisenreserven wird in Euro gehalten, und in der EU werden zwei Drittel des Handels in Euro abgerechnet.

Dieses Vertrauen, so Kocher, sei auch in Nicht-Euro-Ländern hoch, wie die jährliche OeNB Euro Survey zeige.

Dort erwarten über 70 Prozent der Befragten in Ungarn eine stabile Entwicklung des Euros über die nächsten fünf Jahre, während weniger als 40 Prozent dies für den Forint annehmen.

Dollar-Dominanz in Frage gestellt

Kocher hinterfragte die langfristige Dominanz des US-Dollars.

Die expansive Fiskalpolitik der USA und wiederkehrende Schuldenobergrenzen-Debatten werfen Fragen zur Nachhaltigkeit der US-Staatsverschuldung auf.

Zudem werde der Dollar zunehmend für geopolitische Interessen missbraucht.

Für Europa biete die Euro-Mitgliedschaft klare Vorteile: niedrigere Transaktionskosten, reduziertes Wechselkursrisiko und Zugang zu einem großen, integrierten Finanzmarkt.

Auch die Teilnahme an der Bankenunion führe zu verbesserter Finanzstabilität durch harmonisierte Aufsicht.

Länder wie Ungarn könnten von der Eliminierung von Wechselkursrisiken für Unternehmen und der Repatriierung von Ersparnissen profitieren.

Autonomie versus Stabilität

Der Verlust monetärer Autonomie wird oft als größter Nachteil der Euro-Einführung genannt.

Doch Kocher argumentiert, dass diese Autonomie für viele Nicht-Euro-Länder ohnehin begrenzt ist und ein strenger Konvergenzprozess Fehlausrichtungen mindert.

Letztlich sind geldpolitische Entscheidungen immer mit Abwägungen verbunden, die auch eine nationale Zentralbank nicht umgehen kann.