McMunn warnt vor voreiligen Kapitalreduktionen
BIS Speech Read in English

McMunn warnt vor voreiligen Ka­pi­tal­re­duk­ti­o­nen

Mary-Elizabeth McMunn, stellvertretende Gouverneurin der irischen Zentralbank, beleuchtet die '3 Ks' – Kapital, Wettbewerb und Komplexität – in der Regulierungsdebatte. Sie warnt davor, die Finanzstabilität durch eine Lockerung der Kapitalanforderungen zu gefährden.

Robuste Kapitalisierung: Kein Selbstzweck

McMunn betont die fundamentale Rolle robuster Kapitalpositionen für die Sicherheit und Solidität von Banken und des gesamten Finanzsystems.

Kapital sei der Sauerstoff des Finanzsektors und entscheidend für die Fähigkeit der Banken, Schocks zu widerstehen, anstatt sie zu verstärken.

Die Stärke des Sektors diene nicht der Resilienz um ihrer selbst willen, sondern um Banken zu ermöglichen, ihre wichtigen Funktionen auch in schwierigen Zeiten zu erfüllen.

Eine widerstandsfähige, stabile und gut kapitalisierte Bankenbranche sei gut für Verbraucher, Banken, Investoren und die Wirtschaft.

Die Kapitalanforderungen sollten risikobasiert, zukunftsorientiert, kohärent und antizyklisch sein, um Risiken zu antizipieren und in guten Zeiten Puffer aufzubauen, die in schlechten Zeiten genutzt werden können.

Die irische und EU-Bankenbranche habe in den 2020er Jahren trotz beispielloser Schocks eine hohe Widerstandsfähigkeit gezeigt, was das Funktionieren des Rahmens belege.

Dies sei ein Grund zur Zuversicht, dürfe aber nicht zu Selbstgefälligkeit führen, da politische Entscheidungsträger nicht immer den Spielraum für Interventionen hätten.

Die in guten Zeiten aufgebaute Stärke sei ein entscheidender Faktor für die Widerstandsfähigkeit in Krisenzeiten.

Daten widerlegen Ruf nach Kapitalreduktion

Trotz der bewiesenen Stärke gebe es zunehmend Forderungen nach einer Senkung der Kapitalanforderungen.

McMunn argumentiert, dass dies eher einer Deregulierung gleichkomme und dem Prinzip widerspreche, das aktuelle Resilienzniveau aufrechtzuerhalten.

Sie entkräftet die drei Hauptargumente der Befürworter von Kapitalreduktionen: die Förderung der Kreditvergabe an die Realwirtschaft, die Steigerung der Rentabilität des Sektors und die internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Die Kreditvergabe im Euroraum sei mit rund 3 Prozent (Irland über 6 Prozent) robust, und Banken hätten mit über 600 Basispunkten (Irland) bzw. fast 500 Basispunkten (EU) erhebliche Spielräume über den regulatorischen Anforderungen.

Dies deute darauf hin, dass die Kapitalanforderungen die Kreditvergabe nicht übermäßig einschränken.

Die Eigenkapitalrendite der Banken im Euroraum liege mit über 10 Prozent auf dem höchsten Stand seit den Nachkrisenreformen, was zeige, dass Kapital die Rentabilität nicht übermäßig dämpfe.

Auch der Vergleich mit den USA zeige, dass große US-Banken tatsächlich höheren Kapitalanforderungen unterliegen als ihre europäischen Pendants.

McMunn betont, dass die Wettbewerbsfähigkeit Europas eher durch tiefe und liquide Kapitalmärkte sowie die Dynamik der Unternehmen gefördert werde, nicht durch eine Senkung der Bankenkapitalisierung.

Pragmatismus gegen Deregulierung

McMunns Rede ist ein klares Plädoyer für regulatorische Vorsicht und eine Absage an die Deregulierung unter dem Deckmantel der Vereinfachung.

Sie verdeutlicht die anhaltende Spannung zwischen dem Wunsch der Industrie nach geringeren Kosten und dem Mandat der Aufsichtsbehörden zur Finanzstabilität.

Die detaillierte Widerlegung der Argumente für Kapitalreduktionen mit konkreten Daten zeigt, dass die Debatte um die Bankenregulierung weit über technische Details hinausgeht und grundlegende Fragen der wirtschaftlichen Prioritäten berührt.

Für Marktteilnehmer bedeutet dies, dass die irische Zentralbank und das Eurosystem an ihren Prinzipien festhalten werden, was eine verlässliche, aber auch anspruchsvolle regulatorische Landschaft signalisiert.