Barr: Fed-Bilanzgröße falsches Maß für Einfluss
Michael S. Barr, Mitglied des Federal Reserve Board, kritisiert die Diskussion um eine Reduzierung der Fed-Bilanz. Er argumentiert, dass die Bilanzgröße ein falsches Maß für den Einfluss der Zentralbank sei und Vorschläge zur Reduzierung die Finanzstabilität gefährden könnten.
Mehr als nur die Bilanzsumme
Michael S. Barr, Mitglied des Federal Reserve Board, kritisiert die einseitige Diskussion um eine Reduzierung der Fed-Bilanz.
Er betont, dass der Einfluss der Federal Reserve im Finanzsystem weit über die reine Bilanzgröße hinausgeht.
Barr warnt, dass viele der vorgeschlagenen Maßnahmen zur Bilanzschrumpfung die Widerstandsfähigkeit der Banken untergraben, die Funktionsfähigkeit der Geldmärkte behindern und letztlich die Finanzstabilität bedrohen würden.
Der „Fußabdruck“ der Fed umfasst laut Barr nicht nur die Dauer, Zusammensetzung und Größe ihrer Bilanz, sondern auch ihre entscheidenden Rollen bei der Förderung der Sicherheit und Solidität von Banken, dem reibungslosen Betrieb des Zahlungssystems und der umfassenden Unterstützung der Finanzstabilität.
Er weist darauf hin, dass einige populäre Vorschläge zur Bilanzreduzierung paradoxerweise den Einfluss der Fed im Finanzsystem sogar steigern könnten, etwa durch eine erhöhte Frequenz von Fed-Krediten und Markttransaktionen.
Barr plädiert für ein ganzheitliches Verständnis der Zentralbanktätigkeit, das alle Verantwortlichkeiten integriert.
Nur dieser Ansatz gewährleiste die effiziente und effektive Erreichung der vielfältigen Ziele der Fed.
Seine Kernbotschaft: Die Bilanzgröße ist ein ungeeignetes Maß für den Fed-Einfluss, und viele der aktuellen Vorschläge würden die Effizienz der Geldpolitik mindern und Finanzstabilitätsrisiken erhöhen.
Reserven als Stabilitätsanker
Barr erläutert die Struktur der Fed-Bilanz, deren Passivseite von Reserven, umlaufendem Bargeld und dem Treasury General Account (TGA) dominiert wird.
Aktivseitig bestehen die Bestände hauptsächlich aus Staatsanleihen und hypothekenbesicherten Wertpapieren (MBS).
Die Federal Open Market Committee (FOMC) steuert die Geldpolitik mit reichlich vorhandenen Reserven, wobei der Zins auf Reserveguthaben (IORB) der primäre Hebel ist.
Barr betont die immense Bedeutung der Reserven für das Bankensystem.
Fed-Vorsitzender Jerome Powell bezeichnete Reserven als das sicherste und liquideste Asset im Finanzsystem, das nur die Fed schaffen kann.
Eine adäquate Bereitstellung ist essenziell für die Sicherheit und Solidität der Banken, die Resilienz des Zahlungssystems und die Stabilität der Wirtschaft.
Ein Mangel an Reserven würde das Zahlungssystem beeinträchtigen und in Stresssituationen Panik auslösen.
Reserven spielen daher eine wichtige Rolle in den Portfolios hochqualitativer liquider Aktiva (HQLA) der Banken.
Die Schaffung von Reserven ist für die Fed kostenneutral, da Überschüsse an den Steuerzahler zurückfließen.
Falsches Ziel, gefährliche Folgen
Barrs Rede entlarvt die Debatte um die Fed-Bilanz als fundamental fehlgeleitet, da sie den wahren Einfluss der Zentralbank verkennt.
Seine Warnung vor einer Schwächung der Bankenresilienz und der Finanzstabilität durch voreilige Bilanzschrumpfung ist eine klare Absage an populistische Forderungen.
Die Betonung der kostenlosen Bereitstellung von Reserven als Stabilitätsanker unterstreicht die ökonomische Absurdität, ein freies Gut künstlich zu verknappen.