Theurer: Wettbewerb deutscher Banken nicht durch Regulierung verzerrt
Bundesbank-Vorstand Michael Theurer adressiert die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Bankensektors. Er argumentiert, dass die Regulierung den Wettbewerb mit US-Banken nicht verzerrt und betont die Reife des Aufsichtsrahmens.
Reife statt Erschöpfung
Michael Theurer, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, eröffnete das Bundesbank-Symposium mit einer Reflexion über die Entwicklung der Bankenregulierung.
Er betonte, dass die Diskussion über eine Vereinfachung des Rahmens ein Zeichen der Reife sei, nicht der Erschöpfung.
Der bestehende institutionelle Aufsichtsrahmen, der sich über Jahrzehnte entwickelt hat, habe den europäischen Bankensektor widerstandsfähiger gemacht und auf neue Herausforderungen wie Nachhaltigkeit und Künstliche Intelligenz reagiert.
Theurer stellte klar, dass Wettbewerb nicht zwischen abstrakten Systemen, sondern zwischen spezifischen Institutionen in konkreten Märkten stattfindet.
Er forderte eine Regulierung, die proportionaler, weniger bürokratisch und einfacher ist, ohne die Systemstabilität zu gefährden.
Basel III: Keine Wettbewerbsverzerrung durch US-Regulierung
Theurer widersprach der Annahme, dass die unterschiedliche Umsetzung von Basel III in Europa und den USA den Wettbewerb zugunsten amerikanischer Banken verzerren würde.
Er argumentierte, dass deutsche und US-Banken im Einlagen- und Kreditgeschäft kaum direkt miteinander konkurrieren.
Die Erleichterungen für kleine und mittlere US-Banken im Rahmen der Basel III-Finalisierung hätten keine Auswirkungen auf den Wettbewerbsdruck für europäische Institute im lokalen Kreditgeschäft.
Im Investmentbanking und Handel gebe es zwar globalen Wettbewerb, doch der Anteil dieses Geschäfts an den Gesamtkapitalanforderungen sei geringer als der des traditionellen Kreditgeschäfts.
Die Bundesbank-Analyse zeige, dass es keine systematischen Nachteile für europäische G-SIBs durch die Regulierung gebe.
Beruhigend, aber nicht ohne Risiko
Theurers Rede liefert eine wichtige Einordnung in der Debatte um die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Banken.
Seine Argumentation, dass die Basel III-Umsetzung keine signifikanten Wettbewerbsverzerrungen schafft, wirkt beruhigend.
Dennoch bleibt die Frage, ob die strukturellen Unterschiede und die geringere Profitabilität europäischer Großbanken nicht doch tiefere Ursachen haben, die über die reine Regulierung hinausgehen.
Für die Branche bedeutet dies, dass der Fokus auf Effizienz und Innovation, nicht auf regulatorische Anpassungen, entscheidend bleiben muss.