US-Banken: Kapitalregeln sollen Kreditfluss an Realwirtschaft stärken
Michelle W. Bowman, Vizevorsitzende für Bankenaufsicht der Federal Reserve, kündigt umfassende Änderungen an den Kapitalanforderungen für US-Banken an. Ziel ist eine bessere Unterstützung der Realwirtschaft und die Vermeidung unbeabsichtigter Folgen durch übermäßige Regulierung.
Effizienz statt Überregulierung
Bowman betonte bei ihrer Rede am Cato Institute, dass Kapitalanforderungen das Fundament der Aufsichtsrahmen bilden.
Nach der Finanzkrise 2008 seien zwar notwendige Reformen umgesetzt worden, doch die Erfahrung zeige, dass überkalibrierte Anforderungen für risikoarme Aktivitäten unbeabsichtigte Folgen haben.
Dies schränke die Kreditverfügbarkeit ein, verlagere Aktivitäten in den weniger regulierten Nichtbankensektor und erhöhe Komplexität und Kosten, ohne die Sicherheit und Solidität wesentlich zu verbessern.
"Kontinuierlich steigende Kapitalniveaus ohne spezifischen Zweck verursachen reale wirtschaftliche Kosten", so Bowman.
Dies führe zu entgangenem Wirtschaftswachstum, reduziertem Arbeitsplatzaufbau und niedrigeren Lebensstandards.
Die Federal Reserve evaluiere jede Anforderung einzeln, um sicherzustellen, dass sie risikogerecht kalibriert ist und keine unerwünschten Ergebnisse erzeugt.
Basel III, G-SIB und kleinere Banken im Fokus
Die Federal Reserve plant gemeinsam mit dem Office of the Comptroller of the Currency und der Federal Deposit Insurance Corporation umfassende Regelvorschläge.
Diese umfassen Änderungen an den Stresstests, der ergänzenden Verschuldungsquote (eSLR), dem risikobasierten Kapitalrahmen von Basel III und dem G-SIB-Zuschlag.
Ein zentraler Punkt ist die Eliminierung doppelter Kapitalberechnungen für die größten Banken, indem eine einzige Methode für risikobasierte Anforderungen eingeführt wird.
Der G-SIB-Zuschlag soll modernisiert werden, um die systemischen Risiken der größten Banken besser abzubilden.
Dazu gehören die Indexierung an das Wirtschaftswachstum und die Umstellung auf Durchschnittswerte statt Jahresendwerte zur Reduzierung von Bilanzanpassungsanreizen.
Auch für kleinere, weniger komplexe Banken werden Anpassungen vorgeschlagen, um den regulatorischen Aufwand zu verringern und die Flexibilität zu erhöhen, während robuste Kapitalniveaus erhalten bleiben.
Überfällige Korrektur mit Weitblick
Die vorgeschlagenen Anpassungen der Kapitalregeln sind eine überfällige Reaktion auf die Überkalibrierung der letzten Jahre.
Sie adressieren die Gefahr, dass Banken ihre Kernfunktion der Kreditvergabe an die Realwirtschaft vernachlässigen und Aktivitäten in den unregulierten Sektor verlagern.
Ob die Balance zwischen Stabilität und Wachstum jedoch dauerhaft gelingt und die Reformen die gewünschte Effizienzsteigerung bringen, wird sich erst in der Praxis zeigen.