Bowman warnt vor fragilerem US-Arbeitsmarkt
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Bowman warnt vor fragilerem US-Arbeitsmarkt

Trotz anhaltenden Wirtschaftswachstums und sinkender Inflation sieht Fed-Vize Michelle Bowman den US-Arbeitsmarkt zunehmend fragil. Sie betont, dass diese Zerbrechlichkeit das größte Risiko für die Geldpolitik darstellt und weitere Anpassungen erfordert.

Drei Zinssenkungen, ein fragiler Arbeitsmarkt

Michelle W. Bowman, Vizevorsitzende für Bankenaufsicht des Federal Reserve Systems, erläuterte ihre Sicht auf die jüngsten geldpolitischen Entscheidungen.

Seit September 2025 hat der Offenmarktausschuss (FOMC) den Zielkorridor für die Federal Funds Rate in drei Schritten um insgesamt 75 Basispunkte gesenkt, auf nun 3,5 bis 3,75 Prozent.

Bowman stimmte diesen Maßnahmen zu, da sie eine Schwächung des Arbeitsmarktes und eine Annäherung der Inflation an das Zwei-Prozent-Ziel erwartete, insbesondere unter Ausklammerung von Tarifeffekten.

Sie betonte, dass diese proaktiven Schritte darauf abzielten, größere und anhaltendere Schäden am Arbeitsmarkt zu begrenzen.

Die Vizevorsitzende hob hervor, dass ihre Einschätzung der Wirtschaft sich im Laufe des letzten Jahres verschoben habe, wobei sie anfänglich optimistisch war, aber zunehmend Risiken für die Beschäftigung sah.

Künstliche Intelligenz (KI) habe das Wirtschaftswachstum und die Produktivität gestützt, was inflationsdämpfend wirke.

Verdeckte Schwäche am Arbeitsmarkt

Obwohl die US-Wirtschaft widerstandsfähig wuchs, bleibt Bowman besorgt über die Fragilität des Arbeitsmarktes.

Die Arbeitslosenquote stieg im Dezember auf 4,4 Prozent, primär durch weniger Neueinstellungen.

Das Beschäftigungswachstum verlangsamte sich erheblich und konzentrierte sich auf wenige Dienstleistungsbranchen.

Private Jobgewinne lagen im vierten Quartal bei durchschnittlich nur 30.000 pro Monat, was nicht ausreicht, um einen Anstieg der Arbeitslosenquote zu verhindern.

Die Lohnentwicklung verlangsamte sich auf ein mit 2 Prozent Inflation vereinbares Tempo.

Bowman hob hervor, dass der Anteil der unfreiwillig Teilzeitbeschäftigten und der Mehrfachjobber zugenommen hat, was auf wachsende Schwierigkeiten vieler Arbeitnehmer hindeutet.

Geduld ist das Gebot der Stunde

Die zunehmende Fragilität des Arbeitsmarktes stellt für die Geldpolitik das größte Risiko dar, da eine weitere Verschlechterung schnell eintreten könnte, wenn die Nachfrage nicht anzieht.

Angesichts bereits niedriger Einstellungsraten könnten Entlassungen rasch zunehmen, falls Unternehmen ihre Personalbedarfe neu bewerten.

Daher ist eine datenabhängige und flexible Anpassung der Geldpolitik unerlässlich, um die Stabilität des Arbeitsmarktes zu gewährleisten und eine „joblose Expansion“ zu vermeiden.