Haushalte sehen Zinsanstieg als Inflationstreiber
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Haushalte sehen Zinsanstieg als Inflationstreiber

Eine neue BIZ-Studie zeigt, dass Haushalte Zinsänderungen anders wahrnehmen als in Standardmodellen angenommen. Höhere Leitzinsen führen demnach zu geringeren Ausgaben, weil Haushalte eine steigende Inflation erwarten.

Das Paradox der Konsumreaktion

Die Studie untersucht, wie Haushalte die Transmission von Geldpolitik wahrnehmen und wie diese Wahrnehmungen ihre Entscheidungen beeinflussen.

Eine groß angelegte Umfrage unter über 25.000 US-Haushalten, kombiniert mit randomisierten Informationsbehandlungen, misst, wie Haushalte erwarten, dass Änderungen des Leitzinses die Wirtschaftsbedingungen und ihr eigenes Verhalten beeinflussen.

Haushalte berichten, dass höhere Zinsen sie dazu veranlassen, ihre Ausgaben, insbesondere für langlebige Güter, zu reduzieren.

Die Mechanismen, die dieser Reaktion zugrunde liegen, unterscheiden sich jedoch erheblich von denen in Standardmodellen.

Befragte erwarten, dass eine geldpolitische Straffung die Kreditkosten und die Inflation erhöht.

Schätzungen der Konsumfunktion zeigen, dass Haushalte auf höhere Inflationserwartungen mit einer Reduzierung des Konsums reagieren.

In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen als Haupttreiber

Haushaltsspezifische Inflationserwartungen erweisen sich auch als zentraler Treiber für Portfolio-Umschichtungen nach geldpolitischen Änderungen.

Die Studie stellt fest, dass Haushalte bei einem Anstieg des Leitzinses eine Verschiebung weg von Aktien und hin zu Bankkonten beabsichtigen.

Zudem deutet ein Vorsichtskanal darauf hin, dass geldpolitische Maßnahmen, ob Erhöhung oder Senkung, Haushalte dazu veranlassen, durch Arbeitsmarktanpassungen zusätzliches Einkommen zu suchen, was auf eine höhere wahrgenommene Unsicherheit hindeutet.

Die Ergebnisse der Studie stehen im Gegensatz zu den Standard-Transmissionsmechanismen in neukeynesianischen Modellen, wo Zinserhöhungen den Konsum primär über den Realzins- und Einkommenskanal reduzieren.

Die Autoren finden, dass der Einkommenskanal weitgehend inaktiv ist, da Haushalte keinen nennenswerten Durchschlag von Leitzinsen auf Löhne wahrnehmen.

Modelle am Scheideweg

Die Studie liefert eine wichtige empirische Basis, die etablierte Annahmen über die geldpolitische Transmission in Frage stellt.

Ihre Erkenntnisse, gewonnen durch innovative Umfragemethoden, zeigen eine unerwartet dominante Rolle von Inflationserwartungen.

Für Zentralbanken bedeutet dies, dass die Kommunikationsstrategie neu bewertet werden muss, um die tatsächlichen Wirkungskanäle bei Haushalten zu adressieren.