Carry Trades beeinflussen Wechselkursreaktion auf Geldpolitik
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Carry Trades beeinflussen Wech­sel­kurs­re­ak­ti­on auf Geldpolitik

Die Aktivität von Carry Trades kann die Wechselkursreaktion auf geldpolitische Maßnahmen prägen. Eine neue BIZ-Studie zeigt, dass signifikante Short-Positionen in Finanzierungswährungen die Wirkung von geldpolitischer Straffung verstärken.

Hebelwirkung durch Carry Trades

Die Wechselkursreaktion auf geldpolitische Änderungen erscheint oft erratisch.

Die Studie quantifiziert den Einfluss gehebelter Währungsspekulationen auf die Wechselkursreaktion in Carry-Trade-Finanzierungswährungen wie dem Schweizer Franken und dem Japanischen Yen.

Carry Trader leihen sich in Niedrigzinswährungen und investieren in Hochzinswährungen.

Wenn diese Währungen von Spekulanten stark geshortet werden, führt eine geldpolitische Straffung zu einer signifikanten Aufwertung, angetrieben durch den Abbau der Short-Positionen.

Bei minimaler Carry-Trade-Aktivität bleibt die Reaktion hingegen gedämpft.

Dies erzeugt eine zustandsabhängige geldpolitische Transmission auf den Wechselkurs, die durch das Auflösen gehebelter Positionen vor der Ankündigung entsteht.

Messung und Mechanismen der Verstärkung

Die Aktivität von Carry Trades wird anhand der Netto-Positionen nicht-kommerzieller Händler in Währungs-Futures an der Chicago Mercantile Exchange (CME) gemessen.

Diese Positionen dienen als zuverlässiger Indikator für Carry-Trade-Aktivitäten.

Die Analyse mittels lokaler Projektionen zeigt, dass bei hoher Carry-Trade-Aktivität geldpolitische Schocks zu einer großen und anhaltenden Wechselkursreaktion führen.

Eine geldpolitische Überraschung von 25 Basispunkten kann zu einer Bewegung von 4 Prozent beim Schweizer Franken und fast 10 Prozent beim Japanischen Yen führen.

Diese signifikante Reaktion tritt insbesondere nach Straffungsschocks auf, nicht nach Lockerungen, und wird durch den Abbau von Short-Positionen verstärkt.

Der blinde Fleck der Geldpolitik

Die Studie deckt einen kritischen, oft übersehenen Kanal der geldpolitischen Transmission auf.

Sie zeigt, dass die Wirksamkeit von Zinsentscheidungen stark von der Struktur des Devisenmarktes abhängt.

Für Zentralbanken bedeutet dies, dass sie die Positionierung von Carry Tradern sorgfältig überwachen müssen, um unerwartete Wechselkursreaktionen zu vermeiden.