Isărescu: Südosteuropa braucht Stabilität für Wachstum
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Isărescu: Südosteuropa braucht Stabilität für Wachstum

Mugur Isărescu, Gouverneur der Nationalbank Rumäniens, betont die Notwendigkeit wirtschaftlicher Stabilität in Südosteuropa. Er warnt vor geopolitischen Spannungen und fiskalischen Ungleichgewichten, die nachhaltiges Wachstum gefährden.

Stabilität als Fundament

In einer komplexen Welt, geprägt von geopolitischen Spannungen, militärischen Konflikten und Fragmentierung traditioneller Handelsbeziehungen, ist wirtschaftliche Stabilität kein passives Ergebnis mehr.

Sie ist ein aktives Politikziel, das ständig in Erinnerung gerufen werden muss: Nachhaltiges Wachstum kann nicht auf makroökonomischen Ungleichgewichten aufbauen.

Stabilität ist das Fundament, auf dem Investitionen, Innovation und sozialer Fortschritt gedeihen können.

Isărescu hob hervor, dass die griechischen und rumänischen Bankensektoren sich erheblich gestärkt haben und notleidende Kredite zurückgegangen sind.

Dennoch bleibt die Wahrung der Finanzstabilität inmitten globaler Schocks wie steigender Energiepreise und Handelszölle eine Herausforderung.

Das Zusammenspiel von Fiskal- und Geldpolitik erfordert einen Balanceakt zwischen Haushaltsdisziplin, nachhaltigem Lohn- und Produktivitätswachstum sowie Investitionsförderung, während Preis- und Finanzstabilität gewahrt bleiben müssen.

Inflation, Fiskalraum und EU-Integration

Der Post-Covid-Wirtschaftsaufschwung führte zu einem Inflationsschock, verstärkt durch die Energiekrise.

Zentralbanken weltweit, einschließlich derer in Ost- und Südosteuropa, leiteten einen der energischsten geldpolitischen Straffungszyklen der letzten Jahrzehnte ein.

Trotz dieser überlappenden Schocks haben die geldpolitischen Maßnahmen die Inflation moderiert, die jedoch anfällig für erneute Angebotsschocks und Rohstoffpreisvolatilität bleibt.

Gleichzeitig hat sich der fiskalische Spielraum in vielen Ländern, darunter Rumänien, verringert, während die öffentlichen Erwartungen hoch bleiben, um negative soziale Auswirkungen zumindest teilweise abzufedern.

Die Volkswirtschaften Südosteuropas sind stark in die europäischen Wertschöpfungsketten integriert und Teil des EU-Binnenmarktes.

Die Region teilt gemeinsame Merkmale wie Konvergenzbestrebungen, Exposition gegenüber externen Schocks und den Bedarf an langfristigen Investitionen.

Regionale Kooperation innerhalb des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken, der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde und der EZB stärkt die Resilienz.

Vigilanz trotz Resilienz

Rumäniens Wirtschaft zeigt zwar Resilienz, kämpft aber mit strukturellen Schwächen wie dem Leistungsbilanzdefizit und fiskalischen Ungleichgewichten.

Die Nationalbank Rumäniens muss daher eine feste Haltung bewahren, um Inflationserwartungen zu verankern und die Finanzstabilität zu sichern.

Dies erfordert einen datengesteuerten Ansatz und eine enge Zusammenarbeit auf europäischer Ebene, um Unsicherheit nicht in Instabilität umschlagen zu lassen.

Quelle: Mugur Isărescu: South-east Europe's next leap forward

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