AnaCredit-Studie: Bankkreditschocks prägen Firmeninvestitionen im Euroraum
Bankenspezifische Kreditschocks beeinflussen maßgeblich die Investitionen von Unternehmen im Euroraum. Eine neue EZB-Studie nutzt die AnaCredit-Datenbank, um diese Dynamik zu analysieren.
Idiosynkratische Schocks als Haupttreiber
Diese Studie untersucht, wie bankenspezifische Kreditschocks die Investitionen von Unternehmen im Euroraum beeinflussen.
Mittels der AnaCredit-Datenbank und der Amiti-und-Weinstein-Methodik (2018) wird das Kreditwachstum in bank-, firmen-, branchen- und gemeinsame Schocks zerlegt.
Die Ergebnisse zeigen, dass idiosynkratische Bankangebotsschocks die Investitionen auf Firmenebene signifikant beeinflussen, insbesondere bei Unternehmen, die stark von Bankkrediten abhängig sind.
Diese granularbankenspezifischen Schocks erklären zudem den Großteil der aggregierten Kreditdynamik.
Die Studie unterstreicht die entscheidende Rolle der Banken bei der Gestaltung der Investitionsdynamik, insbesondere unter variierenden wirtschaftlichen Bedingungen.
Vulnerabilität nach Firmengröße und Sektor
Die Auswirkungen der Bankschocks variieren stark je nach Firmenmerkmalen.
Kleinere und jüngere Unternehmen sind anfälliger, da ihnen oft alternative Finanzierungsquellen fehlen.
Auch Firmen mit höherer Kurzfristverschuldung sind aufgrund des kontinuierlichen Refinanzierungsbedarfs vulnerabler.
Der verarbeitende Sektor sowie Unternehmen in Italien und Spanien zeigen eine erhöhte Anfälligkeit.
Negative Bankschocks haben einen asymmetrisch größeren negativen Einfluss auf Investitionen.
Immaterielle Investitionen bleiben weitgehend unberührt, da sie auf interne Finanzierung angewiesen sind.
Makroökonomisch treiben firmen- und bankenspezifische Schocks die aggregierten Kreditschwankungen, was die 'Finanzakzelerator'-Theorie stützt.
Mikro-Einblicke mit Makro-Relevanz
Diese Studie liefert wertvolle, granulare Einblicke in die Kreditdynamik und bestätigt die Relevanz bankenspezifischer Faktoren für Firmeninvestitionen.
Sie zeigt auf, welche Unternehmenstypen besonders anfällig sind und stärkt das Verständnis für die Transmission geldpolitischer Impulse.
Allerdings könnte die Fokussierung auf den Zeitraum 2019-2023 und die Euroraum-Spezifika die Übertragbarkeit auf andere Wirtschaftszyklen oder Regionen einschränken.