Clustering identifiziert Fonds-Risiken für Finanzstabilität
Ein neues ESRB-Papier stellt eine Clustering-Methode vor, die Fonds-Kohorten für die Finanzstabilitätsbewertung identifiziert. Die Analyse von über 10.000 AIFs mit 3,7 Billionen Euro Vermögen zeigt 12 Gruppen mit materiellen Schwachstellen auf.
Versteckte Risiken durch kollektives Verhalten
Das Wachstum des Asset-Management-Sektors hat neue Kanäle für systemische Risiken geschaffen, oft durch kollektives Verhalten von Fonds mit ähnlichen Strategien.
Krisen wie die britische Gilt-Krise 2022, bei der LDI-Fonds Turbulenzen verstärkten, oder der 'Dash for Cash' im März 2020, der durch Hedgefonds-Verkäufe verschärft wurde, belegen dies.
Das Papier entwickelt eine Clustering-Methodik zur Identifizierung von Fonds-Kohorten mit ähnlichen Engagements.
Angewendet auf AIFMD-Daten, insbesondere die breiten Kategorien 'other' oder 'none', die 3,7 Billionen Euro Vermögen über 10.000 Fonds umfassen, berücksichtigt die Methode 70 Asset-Kategorien und acht geografische Regionen.
Es wurden 12 unterschiedliche Fonds-Kohorten mit klarer ökonomischer Interpretation identifiziert, darunter Anleihe-, Aktien-, LDI- und Private-Asset-Fonds.
Diese übertreffen traditionelle AIFMD-Klassifikationen um 16 Prozentpunkte bei der Erklärung der Fondsrendite-Varianz.
Hebel, Liquidität, Vernetzung: Die Schwachstellen
Die Cluster-Analyse identifiziert Gruppen von Fonds, die Finanzstabilitätsrisiken bergen, welche traditionelle Klassifikationen nicht erfassen.
So wurden GBP-denominierte LDI-Fonds mit einem durchschnittlichen Bruttohebel von 355 Prozent des Nettoinventarwerts (NAV) identifiziert.
Acht von zwölf Clustern zeigen zudem erhebliche Liquiditätsinkongruenzen zwischen Portfolio-Assets und Rücknahmebedingungen.
Finanzinstitute, insbesondere Versicherungen und Pensionsfonds, dominieren die Investorenbasis aller Cluster und schaffen so direkte Kanäle für systemische Risikotransmission.
Die geografische Streuung ähnlicher Fonds-Kohorten über EU-Jurisdiktionen hinweg unterstreicht die kritische Bedeutung der grenzüberschreitenden Koordination in der makroprudenziellen Aufsicht.
Diagnose, kein Dogma
Das Clustering ist ein diagnostisches Screening-Tool, kein präskriptives Dogma.
Es zeigt auf, wo kollektive Verhaltensweisen entstehen könnten, doch jede aufsichtsrechtliche Reaktion erfordert eine Einzelfallprüfung und zusätzliche Evidenz.
Die Identifizierung von Fonds-Kohorten mit unterschiedlichen Risikoprofilen in AIFMD-Daten demonstriert den praktischen Wert dieses Ansatzes für Regulierungs- und Aufsichtsbehörden.