Sleijpen: Zentralbanken sichern Stabilität in unsicherer Welt
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Sleijpen: Zentralbanken sichern Stabilität in unsicherer Welt

In einer Rede in Groningen betonte Olaf Sleijpen, Präsident der De Nederlandsche Bank, die dreifache Aufgabe der Zentralbanken: Resilienz stärken, Wachstum fördern und Stabilität gewährleisten. Die Welt sei fragmentierter und unsicherer geworden.

Europäische Einheit in fragmentierter Welt

Olaf Sleijpen, Präsident der De Nederlandsche Bank, sprach am 3. März 2026 auf dem Kongress der Financial Study Association Groningen über die Rolle der Zentralbanken in einer instabilen Welt.

Er betonte die Notwendigkeit größerer europäischer Einheit angesichts einer sich rasch verändernden globalen Ordnung.

Die Nachkriegsordnung, basierend auf Kooperation und Freihandel, weiche einer fragmentierteren Welt, in der Großmächte ihre eigenen Interessen verfolgen.

Handelszölle seien zurück, und der Zugang zu kritischer Infrastruktur, Dienstleistungen und Rohstoffen werde zunehmend als Waffe eingesetzt.

Dies führe zu einer unsicheren und schockanfälligeren Weltwirtschaft, was insbesondere für kleine, offene Volkswirtschaften wie die Niederlande riskant sei.

Sleijpen hob drei Kernaufgaben hervor: Stärkung der Resilienz, Steigerung des Wirtschaftswachstumspotenzials und Sicherstellung von Stabilität.

Resilienz und Wachstum als europäische Imperative

Die Stärkung der Resilienz erfordere, Europas Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten kritischer Infrastruktur zu reduzieren und eigene Kapazitäten aufzubauen, ohne sich nach innen zu kehren.

Neue Partnerschaften, wie Freihandelsabkommen mit Indien und den Mercosur-Ländern, seien essenziell zur Diversifizierung von Abhängigkeiten.

Gleichzeitig müsse Europa sein Wachstumspotenzial steigern, da es gegenüber den USA und China zurückfalle.

Die amerikanische Wirtschaft wuchs in den letzten 20 Jahren fast doppelt so schnell wie die der Eurozone.

Berichte von Mario Draghi und Enrico Letta lieferten nützliche Ratschläge, insbesondere die Vertiefung des europäischen Binnenmarktes durch den Abbau verbleibender Barrieren.

Eine EZB-Analyse schätzt diese Barrieren als äquivalent zu Zöllen von fast 70 Prozent für Waren und fast 100 Prozent für Dienstleistungen ein.

Auch die Integration der Kapitalmärkte sei dringend notwendig, da Europa keinen tiefen und liquiden Kapitalmarkt wie die USA besitze.

Stabilität ist kein Selbstläufer

Monetäre und finanzielle Stabilität sind die Kernaufgaben der Zentralbanken, die in einer instabilen Welt noch an Bedeutung gewinnen.

Die Vorbereitung des Finanzsektors auf Cyberangriffe, wie der Fall in Hongkong mit 25 Millionen Dollar Verlust durch Deepfakes zeigt, ist eine Top-Priorität.

Zudem erfordert die Bankenregulierung eine Balance: Vereinfachung ist nötig, aber eine Schwächung der Puffer wäre angesichts steigender Risiken ein schwerwiegender Fehler.

Auch der Kryptomarkt, insbesondere Stablecoins, birgt Risiken für das Finanzsystem, was klare Regeln erfordert.