Rehn: Europäisches Safe Asset strategisch notwendig
Olli Rehn, Gouverneur der Bank von Finnland, betont die strategische Notwendigkeit eines europäischen Safe Assets. Angesichts geopolitischer Unsicherheiten und hoher Investitionsbedarfe sei es kein Nischen-, sondern ein Schlüsselthema.
Investitionen und Euro-Stärke
Olli Rehn, Gouverneur der Bank von Finnland, betonte die Dringlichkeit eines europäischen Safe Assets angesichts einer von Unsicherheit geprägten Weltordnung.
Geopolitische Spannungen, wie Russlands Krieg in der Ukraine, wirken sich über Liquidität und Sicherheiten auf die Finanzmärkte aus.
Der Bedarf an starken Ankern und sicheren Häfen sei größer denn je.
Rehn nannte zwei Hauptgründe: Erstens seien erhebliche Investitionen in europäische öffentliche Güter wie gemeinsame Verteidigung und die grüne Transformation notwendig.
Diese erforderten eine stabile, effiziente und skalierbare Finanzierung, die durch gemeinsame europäische Instrumente katalysiert werden könnte, da viele EU-Mitgliedstaaten hoch verschuldet sind.
Zweitens würde ein europäisches Safe Asset die internationale Rolle des Euro stärken.
Eine globale Währung benötige tiefe und liquide Finanzmärkte mit einem zuverlässigen Referenzwert, ähnlich dem US-Treasury-Markt, der dem Dollar ein 'exorbitantes Privileg' verschaffe.
Europa trage durch den Export seiner Ersparnisse in die USA zu diesem Privileg bei.
Marktinfrastruktur und Krisenpragmatismus
Als dritten Punkt hob Rehn die Bedeutung der 'Marktinfrastruktur' hervor, die besonders in Stresssituationen entscheidend sei.
Ein Safe Asset müsse auch bei volatilen Märkten liquide bleiben und als Preisreferenz sowie als Rückgrat für Sicherheiten in Repo- und Derivatemärkten dienen.
Eine robuste Infrastruktur schütze die Stabilität bei Schocks und unterstütze die geldpolitische Transmission.
Historisch gesehen sei die europäische Integration oft durch pragmatische Reaktionen auf Krisen vorangetrieben worden, wie die Entwicklung des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) zeige.
Ursprünglich als temporäre Lösung gedacht, habe sich der ESM zu einer permanenten Institution entwickelt.
Keine Zeit für Zaudern
Rehn macht deutlich: Europas Methode des 'Muddling Through' stößt an ihre Grenzen.
Die Welt warte nicht auf europäische Einigkeit, die Zeit für pragmatische, krisengetriebene Lösungen sei vorbei.
Es brauche jetzt analytisch nachhaltige Designs und eine entschlossene Umsetzung.