Rehn: Geopolitik bremst Eurozone, EZB bleibt wachsam
Olli Rehn, Gouverneur der Bank von Finnland, warnt vor den Auswirkungen geopolitischer Turbulenzen auf die Eurozone. Der Nahostkonflikt und der Krieg in der Ukraine bremsen Wachstum und treiben die Inflation.
Geopolitik bremst Wachstum, treibt Inflation
Rehn betont, dass Geopolitik alle Dimensionen der Wirtschaft beeinflusst, von Wachstum und Inflation bis zur Finanzstabilität.
Der Nahostkonflikt sei ein akuter Schlag für die Weltwirtschaft und ein negativer Terms-of-Trade-Schock für Europa.
Er werde das BIP-Wachstum der Eurozone verlangsamen und die Inflation in diesem Jahr erhöhen.
Die mittelfristigen Auswirkungen blieben jedoch ungewiss, was die geldpolitische Entscheidungsfindung erschwere.
Die EZB verfolge eine mittelfristige Orientierung mit einem symmetrischen Inflationsziel von 2 Prozent.
Daher sei entscheidend, ob die Schocks dauerhafte Auswirkungen auf die Inflation hätten.
Die EZB lege großes Gewicht auf eingehende Daten und Szenarioanalysen, da die Aussichten derzeit unklar seien.
Die EZB-Leitzinsen verharren bei 2,0 Prozent, doch bei anhaltendem Konflikt und sich entankernden Inflationserwartungen wäre eine entschlossene Straffung nötig.
Krisen sind keine Zwillingsschwestern
Rehn unterstreicht, dass jede Krise einzigartig ist und sich nicht wiederholt.
Geopolitische Schocks seien komplexe Ereignisse, die nicht nur Ölpreise erhöhten, sondern auch Unsicherheit schürten, Finanzbedingungen verschärften und den internationalen Handel störten.
Er zog Vergleiche zum Energieschock von 2022 nach Russlands Invasion der Ukraine, als die EZB die Inflation ohne Rezession stabilisierte, und zum Ölpreisanstieg 2011-2014, dessen inflationäre Wirkung aufgrund der Eurozonen-Schuldenkrise begrenzt blieb.
Die Auswirkungen auf die Inflation hängen stark vom gesamtwirtschaftlichen Umfeld ab, weshalb die EZB Zweitrundeneffekte und Inflationserwartungen genau beobachte.
Europa müsse zudem seine strukturelle Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen überwinden, da hohe Energiekosten die Wettbewerbsfähigkeit belasteten.
Europas dreifacher Lackmustest
Europa steht vor einem strategischen Dreifach-Test: Sicherheit, Energie/Klima und Wachstum/Investitionen.
Die Notwendigkeit einer stärkeren europäischen Verteidigung, die grüne Energiewende als einzige langfristige Strategie und massive Investitionen in Humankapital sind dabei die zentralen Herausforderungen.
Diese Transformationen erfordern gemeinsame Finanzierung und die Vollendung der Kapitalmarktunion, um die Wettbewerbsfähigkeit und strategische Autonomie Europas langfristig zu sichern.
Quelle: Olli Rehn: Geopolitical turmoil and the eurozone
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