Rehn: KI birgt systemische Risiken für Finanzstabilität
Olli Rehn, Gouverneur der Bank von Finnland und Erster stellvertretender Vorsitzender des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken (ESRB), warnt vor den systemischen Risiken künstlicher Intelligenz für die Finanzstabilität. Er betont die Notwendigkeit, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit Europas in einem sich wandelnden technologischen Umfeld zu stärken.
Systemische Risiken neu denken
Systemische Schocks entstehen zunehmend außerhalb des traditionellen Finanzsektors.
Geopolitische Spannungen, technologische Umbrüche und klimabezogene Risiken können erhebliche Folgen für die Finanzstabilität haben, so Olli Rehn.
Er fordert eine ganzheitlichere Bewertung systemischer Risiken, die Interdependenzen, Spillover-Effekte und grenzüberschreitende Anfälligkeiten stärker berücksichtigt.
Die operative Resilienz wird zu einer zentralen Säule der Finanzstabilität, da KI-gestützte Cyberangriffe immer ausgefeilter und schwieriger zu erkennen sind.
Die Abhängigkeit von wenigen dominanten Technologieanbietern schafft zudem Konzentrationsrisiken, die das Vertrauen in das Finanzsystem untergraben könnten.
Rehn betont, dass Innovation unerlässlich ist, aber die Fähigkeit zur Risikobewältigung nicht überschritten werden darf.
Die Finanzaufsichtsbehörden müssen ihre Arbeit an diese schnellen Entwicklungen anpassen und dabei Expertise, Daten und Analysemethoden neu kombinieren.
KI: Segen oder Jobkiller?
Olli Rehn thematisiert den enormen Optimismus an den Aktienmärkten bezüglich KI und Produktivitätswachstum.
Er betont, dass die Vorteile der künstlichen Intelligenz nicht automatisch eintreten, sondern von der Anpassungsfähigkeit der Gesellschaften und den Fähigkeiten der Arbeitskräfte abhängen.
KI kann menschliche Arbeit ergänzen und die Produktivität steigern, birgt aber auch das Potenzial, Aufgaben und Arbeitsplätze zu ersetzen, was zu Arbeitslosigkeit und Ungleichheit führen könnte.
Laut IWF ist Finnland zwar gut positioniert, doch ein Fünftel der Arbeitskräfte ist in Berufen tätig, in denen KI Aufgaben ersetzen könnte.
Produktivitätsgewinne auf individueller Ebene übertragen sich nicht automatisch auf die Gesamtwirtschaft; es bedarf komplementärer Investitionen in Bildung, Ausbildung und organisatorische Reformen.
Europas Achillesferse
Europas Zukunft hängt von seiner Fähigkeit ab, Innovationen zu fördern und gleichzeitig die Finanzstabilität zu wahren.
Intelligente Regulierung und tiefere Kapitalmärkte sind entscheidend, um Ersparnisse in produktive Investitionen zu lenken.
Ohne massive Investitionen in Humankapital und eine Überwindung der Marktfragmentierung droht Europa, im globalen Wettbewerb zurückzufallen.