Schwarmintelligenz hat Grenzen: Fünf Ökonomen genügen
Paradox: Die Diversifikation von Ökonomen-Prognosen bringt schnell abnehmende Vorteile. Eine Studie der Federal Reserve Bank of Philadelphia zeigt, dass die Gewinne für Inflation größer sind als für Wachstum und bereits nach 5-10 Prognostikern weitgehend erschöpft sind.
Das Geheimnis der Prognose-Portfolios
Eine neue Studie der Federal Reserve Bank of Philadelphia beleuchtet die 'Weisheit der Massen' von Ökonomen-Prognosen.
Die Forscher analysieren makroökonomische Umfrageprognosen als 'Portfolios' und untersuchen, wie Diversifikationseffekte mit zunehmender Anzahl der Befragten wirken.
Im Fokus steht dabei der U.S. Survey of Professional Forecasters (SPF), eine zentrale Quelle für geldpolitische Entscheidungen.
Die Studie führt sogenannte 'Crowd Size Signature Plots' ein, die die Prognoseleistung von Durchschnittsprognosen in Abhängigkeit von der Anzahl der einbezogenen Prognostiker zusammenfassen.
Ein zentrales Ergebnis ist, dass die Vorteile der Diversifikation für Inflationsprognosen ausgeprägter sind als für Wachstumsprognosen.
Diese Gewinne sind zudem bereits nach der Einbeziehung von 5 bis 10 repräsentativen Prognostikern weitgehend erschöpft.
Die Autoren entwickeln ein Äquikorrelationsmodell, das die direkten Signature Plots überraschend genau abbildet und eine analytische Erklärung für die beobachteten Muster liefert.
Mehr ist nicht immer besser
Die Studie reiht sich in die umfangreiche Literatur zur Prognosekombination ein und bestätigt das empirische Phänomen, dass einfache Durchschnitte von Prognosen oft überraschend gute Ergebnisse liefern.
Die Autoren erweitern frühere Arbeiten, indem sie eine theoretische Grundlage für die beobachteten Muster liefern: Die hyperbolische Form der Signature Plots und die schnelle Erschöpfung der Diversifikationsgewinne werden durch die zugrunde liegende Varianz-Kovarianz-Struktur der individuellen Prognosefehler erklärt.
Dies hat direkte Implikationen für das Design von Umfragen wie dem U.S. Survey of Professional Forecasters (SPF), der seit 1968Q4 von der Federal Reserve Bank of Philadelphia durchgeführt wird.
Die Erkenntnis, dass 5-10 Prognostiker ausreichen, um die meisten Vorteile zu erzielen, könnte die Effizienz künftiger Umfragen steigern.
Weniger ist mehr – auch bei Ökonomen
Diese Studie liefert eine wichtige theoretische Untermauerung für ein seit langem beobachtetes Phänomen in der Prognosepraxis.
Die klare Quantifizierung der Diversifikationsgewinne und ihrer schnellen Erschöpfung bietet konkrete Anhaltspunkte für die Optimierung von Umfragepanels.
Für Zentralbanken und andere Institutionen bedeutet dies, dass Ressourcen effizienter eingesetzt werden können, ohne an Prognosequalität einzubüßen.
Quelle: On the Wisdom of Crowds (of Economists)
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