Restoy: Banken-Governance braucht stärkere Aufsicht
Regeln allein genügen nicht: Fernando Restoy vom Financial Stability Institute (FSI) fordert eine stärkere Aufsicht, um die Governance in Banken zu verbessern. Fehlende Unternehmenskultur war oft die Ursache von Bankenkrisen.
Kulturfehler als Wurzel der Krisen
Die Erfolge von Marktwirtschaften hängen stark von der Unternehmensführung ab, besonders im Bankensektor, wo solide Governance entscheidend für Vertrauen und Finanzstabilität ist.
Rückblickend zeigen die Große Finanzkrise und jüngste Episoden, wie die Bankenturbulenzen von 2023, dass Bankenversagen oft auf unzureichendes Risikomanagement und nicht nachhaltige Geschäftsmodelle zurückzuführen ist.
Dies wiederum lässt sich durch eine mangelhafte Unternehmenskultur und schlechte Governance erklären.
Andrew Bailey, Gouverneur der Bank of England, betonte bereits 2016, dass kein großes aufsichtsrechtliches oder Verhaltensversagen ohne einen Kulturfehler als Grundursache auskam.
Trotz der Bedeutung qualitativer Faktoren konzentrierten sich internationale Regulierungsstandards historisch auf quantitative Regeln wie Mindestkapital- und Liquiditätsanforderungen.
Diese reichen jedoch nicht aus, da selbst ein geringer Einfluss schlechten Risikomanagements auf die Vermögensqualität unverhältnismäßige Auswirkungen auf das regulatorische Kapital haben kann; ein Rückgang der Vermögenswerte um nur 5 Prozent würde beispielsweise die Mindestanforderung an hartes Kernkapital (CET1) unter Basel III aufzehren.
Es gibt schlichtweg kein Kapitalvolumen, das die Risiken einer mangelhaften Governance kompensieren könnte.
Aufsicht statt starrer Regeln
Nach der Finanzkrise wurden Maßnahmen zur Stärkung der Banken-Governance eingeführt, darunter die aktualisierten Corporate Governance Principles für Banken des Basler Ausschusses von 2015 und Leitlinien des Finanzstabilitätsrats (FSB) zu Vergütungspolitiken.
Auch individuelle Verantwortlichkeitsregime (IARs) in verschiedenen Jurisdiktionen und ein intensiverer Aufsichtsansatz der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Bewertung der Banken-Governance, wie der Entwurf eines Leitfadens zu Governance und Risikokultur von 2024, tragen dazu bei.
Die Aufmerksamkeit der Behörden richtete sich stark auf die Funktion der Bankvorstände, wobei die Überwachungsfunktion gegenüber der beratenden Rolle betont wurde.
Dies führte zu Anforderungen an unabhängige Vorstandsmitglieder und die Trennung von Vorstands- und CEO-Rollen.
Jedoch zeigen empirische Belege keine klare positive Beziehung zwischen Vorstandsgröße, Unabhängigkeit oder Diversität und der Bankenleistung.
Stattdessen unterstützen sie die Hypothese, dass die Expertise der Direktoren im Bank- und Finanzwesen die Bankenleistung verbessert.
Gute Corporate Governance kann nicht allein durch Regeln gewährleistet werden.
Das FSI betont daher, dass der Fokus nach der Straffung der Prudenzialregulierung auf die Stärkung der Aufsicht liegen sollte.
Aufsicht ist das effektivste Instrument, um Governance-Probleme frühzeitig zu erkennen und zu beheben, und Aufsichts-Risikobereitschaftsrahmen (RAFs) können dabei helfen, das Urteilsvermögen zu strukturieren und Konsistenz zu fördern.