Angelini: DLT-Einsatz in Finanzwelt noch zögerlich
Paolo Angelini, Senior Deputy Governor der Banca d'Italia, sieht Fortschritte beim Einsatz von DLT und Stablecoins im Finanzsektor. Er betont jedoch, dass der Übergang von Pilotprojekten zur breiten Anwendung noch zögerlich verläuft.
Vom Versprechen zur zögerlichen Realität
Die Veröffentlichung des Bitcoin-Protokolls 2008 nährte die Hoffnung, dass Blockchain und Distributed Ledger Technology (DLT) die Finanzintermediation überflüssig machen könnten.
Fast 20 Jahre später hat sich dieses Versprechen als schwer fassbar erwiesen.
Vollautomatisierte Finanzdienstleistungen haben den Markt nicht übernommen; menschliche Governance, Rechtsrahmen und Risikomanagement sind weiterhin notwendig, um Vertrauen zu schaffen.
DLT-basierte Infrastruktur könnte dennoch einen wichtigen Platz im Finanzsektor einnehmen, da Anwender über Pilotprojekte hinaus in produktionsreife Vorhaben übergehen.
Bislang gab es keine Disruption, sondern eine allmähliche Anpassung.
Paolo Angelini, Senior Deputy Governor der Banca d'Italia, bejaht den skalierbaren Einsatz von DLT, jedoch mit Vorbehalt.
Er sieht einen allmählichen Aufbau von Dynamik statt eines 'Urknalls'.
DLT im Finanzwesen umfasst Krypto-Assets, Asset-Tokenisierung, Finanzmarktinfrastruktur sowie Zahlungen und Abwicklungen, einschließlich Stablecoins.
Ein Marktbeobachter identifizierte 2025 weltweit 378 Blockchain-Projekte bei traditionellen Unternehmen, wovon fast drei Viertel im Finanzsektor angesiedelt waren.
Stablecoins: Reale Nutzung noch begrenzt
Stablecoins, die reifste DLT-Anwendung im Finanzwesen, zielen auf einen stabilen Wert ab, meist gegenüber einer Fiat-Währung.
Ihre Marktkapitalisierung beträgt rund 315 Milliarden US-Dollar, überwiegend in US-Dollar denominiert.
Regulatorische Bedingungen sind entscheidend, wobei die EU mit MiCAR einen Rahmen schafft.
Daten deuten darauf hin, dass Stablecoins hauptsächlich innerhalb des Krypto-Ökosystems verwendet werden.
Ihre effektive Nutzung im Zahlungsverkehr der Realwirtschaft bleibt gering: Die jährlichen Transaktionsvolumina werden auf 400 Milliarden bis 1,3 Billionen US-Dollar geschätzt.
Kartengestützte Stablecoin-Initiativen von Visa und Mastercard erreichten 2025 geschätzte 4,5 Milliarden US-Dollar.
Hinweise auf eine Nutzung für grenzüberschreitende Zahlungen existieren, da Korrespondenzbankketten oft langsam und kostspielig sind.
Evolution statt Revolution
Die Erkenntnisse von Paolo Angelini zeigen, dass DLT und Stablecoins das Finanzsystem eher evolutionär als revolutionär verändern.
Obwohl Fortschritte sichtbar sind, insbesondere bei Stablecoins, bleibt die breite Marktdurchdringung und die Ablösung traditioneller Intermediäre eine Herausforderung.
Für Zentralbanken und Aufsichtsbehörden bedeutet dies, die Entwicklungen genau zu beobachten und gleichzeitig robuste Rahmenbedingungen für Governance und Risikomanagement zu fordern.