Angelini: Vertrauen und Dialog stärken Zentralbank-Kooperation
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Angelini: Vertrauen und Dialog stärken Zentralbank-Kooperation

Paolo Angelini, stellvertretender Gouverneur der Banca d'Italia, betonte auf der 7. Soft Power Konferenz die entscheidende Rolle von Vertrauen und Dialog für Zentralbanken. Angesichts wachsender geopolitischer Spannungen sei Soft Power wichtiger denn je für die internationale Zusammenarbeit.

Soft Power: Die unsichtbare Kraft der Zentralbanken

Vor über drei Jahrzehnten definierte Joseph Nye Soft Power als die Fähigkeit, Präferenzen durch Anziehung und Überzeugung zu formen, nicht durch Zwang oder Bezahlung.

Heute scheint diese Vorstellung an Boden zu verlieren, da Länder zunehmend auf Hard Power setzen, mit dramatischen Folgen für die internationale Ordnung.

Konflikte, steigende geopolitische Spannungen, die Fragmentierung des Welthandels und wachsender Protektionismus fordern die Grundlagen jahrzehntelangen Wohlstands heraus.

Dennoch ist Soft Power, die in Dialog und Überzeugung wurzelt, notwendiger denn je.

Der Global Soft Power Index, ein analytisches Werkzeug, das auf der Konferenz vorgestellt wurde, deutet darauf hin, dass Soft Power nicht nur diplomatisches Prestige, sondern auch erhebliche wirtschaftliche Vorteile bringen kann.

Diese Erkenntnisse unterstreichen eine langjährige Beobachtung der Zentralbanken: Vertrauen ist ein entscheidendes Wirtschaftsgut.

Glaubwürdigkeit, Vorhersehbarkeit und effektive Kommunikation sind Formen von Soft Power, die Entscheidungen von Haushalten, Unternehmen und Finanzinvestoren beeinflussen und so die Funktionsweise der Wirtschaft prägen.

Kooperation in schwierigen Zeiten

Die Zentralbankengemeinschaft erlebt die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit täglich.

Der technische Dialog bleibt durch Foren wie IWF, Weltbank, Basler Ausschuss, BIZ und FSB offen.

Diese Gremien erzielen traditionell Einigungen durch Dialog und Kompromisse, selbst bei kontroversen Themen.

Ein Beispiel ist der Fortschritt bei klimabezogenen Risiken: Trotz Schwierigkeiten wurde eine Einigung erzielt, sich auf physische Risiken für die Finanzstabilität und die Aufsicht über Finanzintermediäre zu konzentrieren.

Dieses pragmatische Vorgehen ermöglicht es, den Dialog offen zu halten.

Soft Power ist der Kitt, der die Zusammenarbeit bindet und den Dialog auch bei divergierenden Interessen aufrechterhält.

Sie wird durch glaubwürdige Institutionen, verantwortungsvolle Führung und konsequentes Handeln erworben.

Mehr als nur Diplomatie

Angelinis Rede ist eine wichtige Mahnung an den oft unterschätzten Wert von Diplomatie und institutionellem Vertrauen in einer fragmentierten Welt.

Sie zeigt, dass selbst bei tiefgreifenden Interessenskonflikten der technische Dialog unter Zentralbanken pragmatische Fortschritte ermöglichen kann.

Doch die begrenzten Einigungen bei Klimarisiken verdeutlichen, wie schwierig es bleibt, Soft Power in umfassende politische Maßnahmen zu übersetzen.

Quelle: Paolo Angelini: Soft power and central banks

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