Gopinath: Stablecoins werden zunehmend anonym
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Gopinath: Stablecoins werden zunehmend anonym

Stablecoins entwickeln sich entgegen der Politik hin zu mehr Anonymität. Das ist das zentrale Ergebnis der Per Jacobsson Foundation Lecture von Gita Gopinath Gregory am 28. Juni 2026.

Der anonyme Drift der Stablecoins

In ihrer Per Jacobsson Foundation Lecture zeigte Gita Gopinath Gregory, dass sich Stablecoins entgegen der langjährigen politischen Präferenz hin zu mehr Anonymität entwickeln.

Diese Präferenz zielte darauf ab, Geld weniger anonym zu machen, um Steuererhebung, Finanzkriminalitätsbekämpfung und Sanktionsdurchsetzung zu erleichtern.

Traditionelles Geld, wie der US-Dollar, ist überwiegend in seiner am wenigsten anonymen Form – Bankeinlagen von über 19 Billionen US-Dollar in US-Banken.

Bargeld, mit rund 2,5 Billionen US-Dollar, ist die anonymste Form.

Die Politik hat über Jahrzehnte hinweg die Anonymität reduziert, etwa durch die Abschaffung hochpreisiger Banknoten.

Im Stablecoin-Ökosystem hingegen dominiert die anonymste Form, was potenzielle Kosten für die öffentlichen Finanzen, die Integrität des Finanzsystems und die monetäre Souveränität mit sich bringt.

Selbstverwahrung dominiert Stablecoin-Nutzung

Stablecoins können entweder in selbstverwalteten Wallets (Self-Custody) oder auf zentralisierten Börsen gehalten werden.

Selbstverwahrte Wallets bieten Pseudonymität und sind das Äquivalent zu Bargeld im Stablecoin-Ökosystem.

Zentralisierte Börsen unterliegen KYC- und AML-Vorschriften und sind daher weniger anonym.

Gopinaths Forschung quantifiziert, dass selbstverwahrte Wallets den dominanten Anteil der Stablecoin-Bestände ausmachen, zwischen 70 und 75 Prozent der Aggregate.

Für Tether (USDT) sind dies etwa 130 Milliarden US-Dollar von insgesamt 190 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026.

Auch bei den Transfers dominieren die Transaktionen zwischen zwei selbstverwahrten Wallets, die auf etwa die Hälfte des Volumens gestiegen sind.

Transfers zwischen Börsen sind hingegen zurückgegangen.

Politik im Dilemma

Die Entwicklung der Stablecoin-Nutzung stellt die öffentliche Politik vor ein Dilemma, da sie den Bemühungen um mehr Transparenz im traditionellen Finanzsystem entgegenläuft.

Bestehende Regulierungen wie der US GENIUS Act oder der europäische Rahmen greifen bei selbstverwahrten Wallets und Peer-to-Peer-Transfers nur unzureichend.

Dies untergräbt die Wirksamkeit von Maßnahmen gegen Finanzkriminalität, Sanktionsumgehung und Kapitalflucht.

Quelle: Per Jacobsson Foundation Lecture

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