Chobanov: Zinspolitik muss sich an neue Angebotsschocks anpassen
Petar Chobanov, stellvertretender Gouverneur der Bulgarischen Nationalbank, betont die Notwendigkeit einer Neuausrichtung der Zinspolitik. Angesichts wiederkehrender Angebotsschocks müssen Zentralbanken alte Wahrheiten über Preistabilität wiederentdecken.
Alte Schocks, neues Umfeld
Nach einem Jahrzehnt niedriger Inflation und unkonventioneller Instrumente zwingt der post-pandemische Inflationsanstieg die Zentralbanken zur Neubesinnung.
Angebotsschocks sind nicht neu, treten aber heute in einem veränderten Umfeld auf: langsameres Trendwachstum, alternde Bevölkerungen, fragmentierter Handel und Klimarisiken.
In dieser Welt ist das Angebot weniger elastisch und kann Störungen schlechter absorbieren.
Die Schocks überlappen sich und verstärken sich gegenseitig, was die Inflation immer wieder über das Ziel treibt.
Die Annahmen der prä-pandemischen Ära – dass Schocks meist vorübergehend sind und sich kaum auf Löhne und Erwartungen auswirken – gelten nicht mehr.
Das 'Durchschauen' angebotsgetriebener Inflation funktioniert nur, wenn Erwartungen fest verankert sind und keine Verhaltensänderungen auslösen.
Wiederholte Schocks können zu einer endogenen Inflationspersistenz führen, wenn Zweitrundeneffekte einsetzen.
Zinsen bleiben zentral, Glaubwürdigkeit entscheidend
Die Zinspolitik bleibt das primäre und wirkungsvollste Instrument der Zentralbank.
Der synchronisierte Straffungszyklus war notwendig, um eine Entankerung der Erwartungen zu verhindern.
Die Inflation stabilisierte sich durch die nachhaltige Anpassung des Leitzinses in restriktives Gebiet.
'Glaubwürdigkeit wird nicht geerbt, sondern kontinuierlich erarbeitet,' betonte Chobanov.
Für die zukünftige Geldpolitik bedeutet dies: Preistabilität muss der unzweideutige Anker bleiben.
Die Zinspolitik muss sich nach dem Regime und nicht nach Schock-Labels richten.
Geldpolitik kann Strukturreformen nicht ersetzen, aber auch nicht auf sie warten.
Analytische Kapazität ist unerlässlich.