Lane: Europas Wirtschaft im globalen Wandel
EZB-Direktor Philip R. Lane analysierte auf dem Asian Monetary Policy Forum Europas Rolle in der Weltwirtschaft. Er beleuchtete die sich wandelnden Handelsbeziehungen und globalen Kräfte, die die Geldpolitik der EZB beeinflussen.
Asiens Aufstieg fordert Europas Exporte
Die Eurozone ist eine hochgradig offene Volkswirtschaft, deren Handelsbeziehungen und globale Wertschöpfungsketten sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert haben.
Die Beteiligung europäischer Unternehmen an regionalen und globalen Wertschöpfungsketten hat sich in den letzten drei Jahrzehnten verdoppelt.
Asien, insbesondere China, hat seine Wirtschaftskraft massiv ausgebaut und verfügt heute über eine deutlich höhere Kaufkraft als die Eurozone.
China allein erreicht fast das Doppelte der Kaufkraft der Eurozone, während der Rest Asiens dem von China entspricht.
Diese Transformation hat die globalen Handelsdynamiken neu geordnet und den traditionellen Status der Eurozone als Exportmacht unter Druck gesetzt.
Die Exporte der Eurozone wuchsen in den letzten Jahren langsamer als der Welthandel, was sich zu einer klaren Entkopplung entwickelt hat.
Obwohl die Handelsbeziehung mit Asien in turbulenten Zeiten ein stabilisierender Faktor war, stellt die wachsende Wettbewerbsfähigkeit asiatischer Volkswirtschaften, insbesondere Chinas, eine zunehmende Herausforderung dar.
Chinas Schatten über Europas Industrien
Die Eurozone verliert Exportmarktanteile in traditionell starken Branchen, auch in mittel- und hochtechnologischen Segmenten.
Chinas Exportkorb wird dem Europas immer ähnlicher, was den Wettbewerb verschärft.
Dieser findet auf drei Ebenen statt: in Drittmärkten, in China selbst und innerhalb des europäischen Marktes, wo chinesische Firmen in höherwertigen Produkten Marktanteile gewinnen.
Die reale Aufwertung des Euro gegenüber dem chinesischen Renminbi, bedingt durch eine größere Inflationslücke, beeinträchtigt die Wettbewerbsfähigkeit.
Zudem haben steigende Energiekosten nach der europäischen Gaskrise energieintensive Industrien der Eurozone unverhältnismäßig stark getroffen, was ihre Fähigkeit zur Produktions- und Exportausweitung dauerhaft begrenzt.
Quelle: Philip R Lane: Europe and the world economy
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