Lane: Mehr sichere Euro-Anleihen dringend nötig
EZB-Direktor Philip R. Lane fordert eine Ausweitung des Angebots an sicheren Euro-Anlagen. Bei einem Workshop in Frankfurt betonte er die Notwendigkeit eines Benchmark-Safe-Assets für die Währungsunion.
Die Lücke im Euro-Safe-Asset-Markt
Ein fundamentales Element jedes autonomen Währungssystems ist die Existenz eines sicheren Benchmark-Assets, das als Anker für die Vermögenspreisbildung dient.
Solche Anlagen sollten hochliquide sein und im Stressfall relativ an Wert gewinnen.
Im Euroraum führt die aktuelle Finanzarchitektur zu einem Unterangebot an sicheren Euro-Anlagen.
Die Bundesanleihe dient zwar als de facto Safe Asset, ihr Bestand ist jedoch im Verhältnis zur Größe des Euroraums oder des globalen Finanzsystems zu gering, um die Nachfrage zu decken.
Obwohl Reformen nach der Finanz- und Staatsschuldenkrise die Widerstandsfähigkeit der Eurozone gestärkt haben – darunter die Bankenunion, makroprudenzielle Maßnahmen und die erweiterten Instrumente der EZB wie das Transmission Protection Instrument (TPI) – reichen die nationalen Anleihen nicht aus, um umfassende Safe-Asset-Dienstleistungen zu bieten.
Auch die jüngsten Anpassungen der EUREP-Repo-Fazilität der EZB machen Euro-Anlagen für globale Investoren attraktiver, lösen aber das strukturelle Problem nicht.
Wege zur Schaffung gemeinsamer Anleihen
Gemeinsame Anleihen, gedeckt durch die Fiskalkapazität der EU-Mitgliedstaaten, könnten sichere Asset-Dienstleistungen erbringen.
Der aktuelle Bestand solcher Anleihen (z.B. NGEU) ist jedoch zu gering für die notwendige Liquidität.
Eine Ausweitung ist durch die Finanzierung europäischer öffentlicher Güter oder dringender gemeinsamer politischer Imperative wie der Ukraine-Finanzierung denkbar.
Alternativ könnten bestehende nationale Anleihen durch innovative Ansätze in größere Bestände sicherer Assets umgewandelt werden.
Dazu gehören die 'Blue Bond/Red Bond'-Reform von Blanchard und Ubide, bei der Länder Einnahmen für gemeinsam ausgegebene Anleihen reservieren, um nationale Schulden zu reduzieren.
Eine weitere Option sind Sovereign Bond-Backed Securities (SBBS), die Portfolios nationaler Anleihen bündeln und in hochsichere Tranchen aufteilen.
Beide Ansätze erfordern eine ausreichende Emissionsgröße, um Marktakzeptanz und Liquidität zu gewährleisten.
Politische Hürden bleiben hoch
Trotz vielversprechender technischer Konzepte hängt die tatsächliche Ausweitung sicherer Euro-Anlagen letztlich vom politischen Willen und gegenseitigem Vertrauen ab.
Die Vorschläge, auch wenn sie inkrementelle Schritte darstellen, erfordern erhebliche fiskalische Verschiebungen und eine tiefere Integration, die im aktuellen politischen Klima schwer durchsetzbar sind.
Ohne eine robustere Verpflichtung aller Mitgliedstaaten zu nachhaltigen nationalen Schuldenpfaden und eine stärkere fiskalische Disziplin bleibt das Euro-Safe-Asset ein Fernziel.