Cipollone: Sichere Abwicklung für Europas tokenisierte Märkte entscheidend
EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone sieht Europas tokenisierte Finanzmärkte an einem Wendepunkt. Trotz regulatorischer Fortschritte bremsen Fragmentierung und das Fehlen eines sicheren Abwicklungsankers die Skalierung.
Zwei Hürden für Europas Token-Märkte
Europas tokenisierte Kapitalmärkte haben sich von der Erkundung zur Produktion entwickelt.
Seit 2021 wurden festverzinsliche Instrumente im Wert von fast 4 Milliarden Euro auf Basis der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) platziert, darunter digitale Staatsanleihen von EU-Mitgliedstaaten.
Das Eurosystem selbst führte 2024 exploratorische Arbeiten mit Transaktionen im Wert von rund 1,6 Milliarden Euro durch, inklusive Abwicklungen in Zentralbankgeld.
Mit MiCA und dem DLT-Pilotregime hat Europa zudem frühzeitig einen kontinentweiten Rahmen geschaffen.
Doch zwei Haupthindernisse verhindern die Skalierung: Erstens die Plattformfragmentierung durch parallel operierende DLT-Netzwerke ohne Synchronisation.
Zweitens das Fehlen eines gemeinsamen, vertrauenswürdigen On-Chain-Abwicklungsassets in Zentralbankgeld.
Ohne dieses sind Verkäufer tokenisierter Wertpapiere Preisvolatilität oder Kreditrisiken ausgesetzt, was das Marktwachstum begrenzt.
Diese Herausforderungen müssen gelöst werden, um effizientere und innovativere Finanzmärkte zu ermöglichen.
Pontes und Appia als Blaupause
Zentralbankgeld ist der sicherste und liquideste Abwicklungsanker, frei von Kredit- oder Liquiditätsrisiken.
Ohne tokenisiertes Zentralbankgeld können tokenisierte Märkte nicht in der benötigten Geschwindigkeit und Größenordnung wachsen.
Private Abwicklungsassets wie tokenisierte Einlagen oder Stablecoins spielen zwar eine Rolle, benötigen aber einen vertrauenswürdigen öffentlichen Anker.
Die Eurosystem-Initiativen Pontes und Appia sollen diesen bereitstellen.
Pontes wird im dritten Quartal dieses Jahres starten und DLT-Plattformen mit bestehenden TARGET Services verbinden, um Abwicklungen in Zentralbankgeld zu ermöglichen.
Appia hingegen skizziert die längerfristige Vision für ein europäisches tokenisiertes Finanzökosystem und soll bis 2028 einen umfassenden Plan liefern.
Beide Initiativen bilden eine integrierte Strategie, bei der Pontes in das Appia-Ökosystem überführt wird.
Die Zeit drängt für Europas Token-Märkte
Europa kann eine führende Rolle in der tokenisierten Finanzwelt übernehmen, doch die Hindernisse sind real und die globale Konkurrenz schläft nicht.
Pontes und Appia legen das Fundament, aber ohne das Engagement von Marktteilnehmern und Gesetzgebern bleibt die technologische Ambition unvollendet.
Nur ein kollektives Unterfangen kann die Vision eines einheitlichen digitalen Finanzmarktes verwirklichen und ein fragmentiertes Flickwerk vermeiden.