Cipollone: Tokenisierung braucht Zentralbankgeld
EZB-Direktor Piero Cipollone betont die Notwendigkeit von tokenisiertem Zentralbankgeld für die Transformation des Finanzsystems. Ohne dieses drohen Risiken für Geldpolitik, Finanzstabilität und Währungssouveränität.
Tokenisierung als Game Changer
Digitalisierung und Tokenisierung verändern das Finanzwesen grundlegend.
Piero Cipollone, EZB-Direktoriumsmitglied, erklärt, dass Tokenisierung eine General-Purpose-Technologie ist, die die gesamte Logik des Systems neu gestaltet.
Sie ermöglicht den gesamten Transaktionszyklus – Emission, Handel, Abwicklung und Verwahrung – in einer einzigen digitalen Umgebung, 24/7 verfügbar.
Dies verspricht vereinfachten Zugang zu Finanzierungen, verbesserte Dienstleistungen und Kostensenkungen.
Die vollen Vorteile der Tokenisierung entfalten sich jedoch nur, wenn alle komplementären Komponenten des Finanzsystems diese neue Logik gleichzeitig annehmen.
Dies führt zu einem Koordinationsproblem, da ein unilateraler Schritt mit hohen Kosten und unsicheren Erträgen verbunden ist.
Eine integrierte und wettbewerbsfähige Marktarchitektur mit gemeinsamen Standards ist entscheidend, um Fragmentierung zu vermeiden und gleiche Zugangsbedingungen zu gewährleisten.
Die frühen Designentscheidungen bestimmen, ob die Vorteile breit verteilt werden.
Zentralbanken als Katalysator
Zentralbanken können den Übergang zur Tokenisierung beschleunigen.
Sie müssen tokenisiertes Zentralbankgeld als risikofreies Abwicklungsinstrument bereitstellen, da sonst Transaktionen mit Kreditrisiko behaftet wären.
Zudem ist die Akzeptanz tokenisierter Vermögenswerte als notenbankfähige Sicherheiten entscheidend für deren Liquidität.
Das Eurosystem hat bereits reagiert: Ab September wird im Rahmen des Pontes-Projekts die Abwicklung von DLT-basierten Transaktionen mit tokenisiertem Zentralbankgeld angeboten.
Seit Ende März werden auch marketable Assets, die über DLT in Zentralverwahrern ausgegeben wurden, als Sicherheiten akzeptiert.
Die Appia-Roadmap soll ein integriertes und wettbewerbsfähiges tokenisiertes Ökosystem fördern.
Risiken für die Souveränität
Ohne tokenisiertes Zentralbankgeld drohen erhebliche Risiken für die Geldpolitik, Finanzstabilität und Währungssouveränität.
Eine Dominanz privater Stablecoins könnte die Transmission der Zinspolitik stören, Banken destabilisieren und die Währungssouveränität durch Substitution untergraben.
Zentralbanken müssen daher Innovation unterstützen, aber gleichzeitig die fundamentalen Prinzipien des Währungssystems bewahren.