Cipollone: Europas monetäre Souveränität durch digitalen Euro stärken – Abhängigkeiten reduzieren
Piero Cipollone, Mitglied des EZB-Direktoriums, warnt vor dem Verlust der monetären Souveränität Europas durch wachsende Abhängigkeiten in digitalen Zahlungen und Finanzen. Der digitale Euro sei entscheidend, um die Kontrolle über das wirtschaftliche Schicksal zu behalten.
Euro als Fundament der Souveränität
Die monetäre Souveränität ist ein Kernziel der europäischen Einheitswährung und entscheidend für Europas Unabhängigkeit, so EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone.
Geld sei zwar ein fortgeschrittener Aspekt der europäischen Integration, doch angesichts geopolitischer und technologischer Entwicklungen dürfe die Souveränität nicht als selbstverständlich angesehen werden.
Europas Fähigkeit, Kernfunktionen wie Zahlungen und Finanzen auszulagern, sei angesichts wachsender externer Bedrohungen und Abhängigkeiten als Hebelwirkung nicht mehr tragbar.
Der Verlust der Kontrolle über das Geld bedeute den Verlust der Kontrolle über das eigene wirtschaftliche Schicksal.
Zentralbankgeld als gesetzliches Zahlungsmittel biete einen monetären Anker für das Finanzsystem und müsse zweckmäßig bleiben, um Preisstabilität und reibungslose Zahlungssysteme zu gewährleisten.
Die Relevanz des Euro hänge nicht nur von einer unabhängigen Geldpolitik ab, sondern auch von der Glaubwürdigkeit und Effizienz seiner materiellen und immateriellen Grundlagen.
Die Digitalisierung erfordere eine führende Rolle, um Abhängigkeiten zu vermeiden.
Europas digitale Zahlungsabhängigkeit
Europa ist in digitalen Einzelhandelszahlungen stark von wenigen nicht-europäischen Lösungen und Zahlungssystemen abhängig.
Internationale Kartensysteme dominieren zwei Drittel der Transaktionen im Euroraum; 13 von 21 Ländern verfügen nicht einmal über ein eigenes nationales Kartensystem.
Diese Abhängigkeit birgt erhebliche Risiken für die Resilienz der Zahlungssysteme und könnte als Hebel gegen europäische Interessen genutzt werden.
Europäische Banken verlieren bereits Gebühren und Daten an internationale Kartensysteme und Big-Tech-Lösungen.
Auch US-Dollar-denominierte Stablecoins könnten in Europa Fuß fassen und die Abhängigkeit weiter vertiefen.
Die EZB bereitet daher die Einführung eines digitalen Euro vor, um eine europäische öffentliche Option zu schaffen.
Kontrolle über das eigene Schicksal
Cipollones Rede unterstreicht die Dringlichkeit, Europas monetäre Souveränität im digitalen Zeitalter aktiv zu verteidigen.
Die Abhängigkeit von externen Zahlungssystemen ist nicht nur ein Effizienz-, sondern ein strategisches Risiko für die wirtschaftliche Stabilität des Kontinents.
Der digitale Euro wird somit zu einem unverzichtbaren Instrument, um die Kontrolle über entscheidende Finanzfunktionen zurückzugewinnen.
Quelle: Piero Cipollone: Europe and monetary sovereignty
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