Digitaler Euro stärkt Europas Zahlungsautonomie
EZB-Direktor Piero Cipollone betont die strategische Rolle des digitalen Euros für Europas Resilienz und Autonomie im Zahlungsverkehr. Er warnt vor wachsenden Abhängigkeiten von externen Anbietern, die eine Schwachstelle darstellen.
Abhängigkeit als Achillesferse
Europas Abhängigkeit von nicht-europäischen Zahlungsinfrastrukturen birgt erhebliche Schwachstellen, wie EZB-Direktor Piero Cipollone betont.
Er identifiziert drei Mechanismen: die Gefahr der Trennung, die extraterritoriale Reichweite fremder Rechtssysteme und die einseitige Ausübung von Marktmacht durch dominante Anbieter.
Zwei Drittel der Kartentransaktionen im Euroraum werden von nicht-europäischen Unternehmen abgewickelt.
In zwei Dritteln der Länder, darunter alle baltischen Staaten, dominieren internationale Kartensysteme den Handel.
Dies führte zu einer Verdopplung der durchschnittlichen Händlerentgelte zwischen 2018 und 2022.
Parallel dazu sinkt die Bargeldnutzung rasant: von 68 Prozent der täglichen Transaktionen im Euroraum 2019 auf 40 Prozent im Jahr 2025, was die Abhängigkeit von digitalen, oft externen Lösungen verstärkt.
Der digitale Euro als souveräne Antwort
Der digitale Euro ist die Antwort des Eurosystems auf strukturelle Lücken im Zahlungsverkehr.
Als gesetzliches Zahlungsmittel, online und offline nutzbar, reduziert er Europas Abhängigkeit von externen Anbietern durch eine europäische Infrastruktur und hohe Datenschutzstandards.
Seine über drei geografische Regionen verteilte Infrastruktur und Offline-Funktionalität sichern Kontinuität und Ausfallsicherheit.
Zudem mindert der digitale Euro Marktmachtkonzentration, indem das Eurosystem keine Gebühren erhebt und offene Standards für europäische Zahlungsunternehmen schafft, was Innovation und Wettbewerb fördert.
Ergänzend dazu hat das Eurosystem eine umfassende Zahlungsstrategie veröffentlicht, die auch den Großhandel umfasst.
Ab September wird im Rahmen des Pontes-Projekts tokenisiertes Zentralbankgeld angeboten.
Souveränität im digitalen Zeitalter
Die Einführung des digitalen Euros ist mehr als eine technische Neuerung; sie ist eine strategische Notwendigkeit für Europas Souveränität in einer fragmentierten Welt.
Die wachsende Abhängigkeit von externen Zahlungsinfrastrukturen stellt ein unkalkulierbares Risiko dar, das die wirtschaftliche Resilienz und Autonomie der Union direkt bedroht.
Es ist entscheidend, jetzt zu handeln, um eine europäische digitale Wirtschaft auf soliden, eigenen Fundamenten aufzubauen und die monetäre Souveränität zu wahren.