Cipollone: Digitaler Euro – Vorbereitungen für möglichen Start
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Cipollone: Digitaler Euro – Vorbereitungen für möglichen Start

Piero Cipollone, Mitglied des EZB-Direktoriums, informierte das Europäische Parlament über den Stand der Vorbereitungen für den digitalen Euro. Die Initiative soll die monetäre Souveränität der EU stärken und die Fragmentierung im Zahlungsverkehr reduzieren.

Inklusion und Innovation als Eckpfeiler

Der digitale Euro soll als echtes digitales Komplement zum Bargeld für alle zugänglich sein, einschließlich Menschen mit Behinderungen und jenen mit geringer digitaler Finanzkompetenz.

Die EZB arbeitet hierfür mit der ONCE Foundation zusammen, um Barrierefreiheit von Beginn an in die Gestaltung der App zu integrieren.

Dies umfasst adaptive Benutzeroberflächen mit Sprachbefehlen, großen Schriftarten und vereinfachten Arbeitsabläufen.

Parallel dazu soll der digitale Euro Innovationen im privaten Sektor fördern, indem er eine gemeinsame Zahlungsinfrastruktur und Standards bereitstellt.

Eine Innovationsplattform mit rund 70 Marktteilnehmern hat bereits konkrete Ideen geliefert, wie der digitale Euro Wachstum fördern und alltägliche Zahlungen vereinfachen könnte.

Zukünftige Experimente konzentrieren sich auf Funktionen wie bedingte Zahlungen und Offline-Nutzung.

Synergien im europäischen Zahlungsverkehr

Die EZB integriert den digitalen Euro ins bestehende Zahlungsökosystem durch Co-Badging mit nationalen Schemata und gemeinsame europäische Standards.

Ziel ist die Reduzierung der Abhängigkeit von internationalen Kartensystemen und die Skalierung europäischer Anbieter.

Das Regelwerk wird mit Marktteilnehmern entwickelt, Standards werden bis Sommer 2026 erwartet.

Eine Pilotphase wurde im März 2026 mit einem Aufruf an PSPs gestartet.

Die Entwicklung beginnt im dritten Quartal 2026, der Pilotbetrieb läuft ab H2 2027 für zwölf Monate.

Dies bereitet die potenzielle Einführung ab 2029 vor.

Ein strategisches Projekt mit Hürden

Der digitale Euro ist ein strategisch wichtiges Projekt für die Stärkung der europäischen Souveränität und Resilienz im Zahlungsverkehr.

Trotz fortgeschrittener technischer Vorbereitungen und ambitionierter Zeitpläne bleiben die legislative Verabschiedung und die breite Akzeptanz im Markt entscheidende Hürden.

Sein Erfolg wird davon abhängen, ob er über die Basisfunktionalitäten hinaus einen echten Mehrwert für Bürger und Unternehmen schafft.