Cipollone: Geldhoheit in digitaler Ära sichern
EZB-Direktor Piero Cipollone betont die entscheidende Rolle von Zentralbankgeld für die monetäre Souveränität Europas. Er fordert, diese im digitalen Zeitalter gegen externe Abhängigkeiten zu sichern.
Euro als Anker der Souveränität
Monetäre Souveränität – die Kontrolle über Zentralbankgeld in Bezug auf Emission, Wert und Rolle in Zahlungen und Finanzen – sei ein Kernmerkmal moderner Eigenstaatlichkeit, so Cipollone.
Der Euro habe diese Souveränität gestärkt und sei seit seiner Einführung widerstandsfähig geblieben.
Er sei die zweitwichtigste Währung im internationalen Währungssystem und sein Anteil an der globalen Währungsnutzung liege bei fast 20 Prozent, höher als das Gewicht des Euroraums am globalen BIP.
In jüngsten Phasen geopolitischer und handelspolitischer Spannungen habe der Euro als sicherer Hafen gewirkt.
82 Prozent der Menschen im Euroraum vertrauten der Gemeinschaftswährung, was die Verantwortung der EZB zur Sicherung unterstreiche.
Digitale Abhängigkeiten als Risiko
Die monetäre Souveränität sei durch neue geopolitische und technologische Herausforderungen gefährdet.
Externe Abhängigkeiten bei kritischen Wirtschaftsfunktionen könnten sich schnell in große Schwachstellen verwandeln.
Insbesondere im digitalen Zahlungsverkehr bestehe eine erhebliche Abhängigkeit von wenigen außereuropäischen Lösungen und Infrastrukturen.
Zwei Drittel der Kartentransaktionen im Euroraum würden über internationale Kartensysteme abgewickelt, und 13 von 21 Ländern hätten keine eigenen nationalen Systeme.
Diese Fragmentierung und Abhängigkeit berge das Risiko, dass Europa die Kontrolle über seine täglichen Zahlungen verlieren könnte.
Ein digitaler Euro als Befreiungsschlag
Der digitale Euro ist ein strategischer Schritt, um Europas monetäre Souveränität im digitalen Zeitalter zu sichern.
Er schafft eine europäische, öffentliche Zahlungsoption, die Abhängigkeiten reduziert und die Resilienz des Systems stärkt.
Damit wird nicht nur der Zahlungsverkehr modernisiert, sondern auch ein entscheidender Beitrag zur wirtschaftlichen Autonomie und Stabilität der Eurozone geleistet.