Kandidaten-Agenden konvergieren trotz polarisierter Spenden, divergieren bei Karriereambitionen
BIS Paper Read in English

Kandidaten-Agenden konvergieren trotz polarisierter Spenden, divergieren bei Karriereambitionen

Trotz polarisierter Wahlkampfspenden konvergieren die Agenden von Kandidaten in einem kanonischen Modell der Politikgestaltung. Eine 'Karriereleiter' für Politiker führt jedoch zu Agenda-Divergenz, so eine Studie der Federal Reserve Bank of Philadelphia.

Das Paradox der konvergenten Agenden

Drei Ökonomen der Federal Reserve Bank of Philadelphia und St. Louis, Thorsten Drautzburg, Igor Livshits und Mark L.J. Wright, untersuchen in einem kanonischen Modell der Politikgestaltung das Zusammenspiel von Wahlkampfspenden und Wählerwettbewerb.

Sie zeigen, dass trotz einer beobachteten Polarisierung der Spender die Agenden der Kandidaten konvergieren.

Der Mechanismus: Wenn rein ämterorientierte Kandidaten von einer zentristischen Agenda abweichen, erhöhen sie die Spenden ihrer Gegner stärker als ihre eigenen.

Dies führt dazu, dass Kandidaten ihre Politik moderieren, um den relativen Umfang ihrer Wahlkampfspenden zu verbessern.

Im symmetrischen Gleichgewicht konvergieren die Agenden vollständig zum Mittelpunkt, was zu null Wahlkampfspenden führt.

'Die Wirkung entsteht durch Existenz, nicht durch Nutzung,' fassen die Autoren zusammen.

Karriereambitionen als Polarisationsmotor

Um die empirisch beobachtete Polarisierung von Agenden und Spendern zu erklären, erweitern die Autoren das kanonische Modell.

Sie führen eine 'politische Karriereleiter' ein, bei der Kandidaten auch am absoluten Niveau der Wahlkampfspenden interessiert sind, da diese ihre Chancen auf ein höheres Amt verbessern.

Empirische Belege stützen dies: Die Wahrscheinlichkeit, für den Senat zu kandidieren, steigt robust mit den gesammelten Geldern.

Diese Erweiterung führt zu einer Divergenz der Kandidaten-Agenden im Gleichgewicht.

Das Modell erklärt, warum höhere Spendenlimits zu polarisierteren Kandidaten führen und die Polarisierung von Spendern und Kandidaten parallel steigt.

Mehr als nur Wählerstimmen

Die Studie beleuchtet eine zentrale Triebfeder politischer Polarisierung jenseits reiner Ideologie: die Karriereambition von Kandidaten.

Sie liefert damit eine neue Perspektive auf die Debatte um Wahlkampffinanzierungsreformen und deren Potenzial, politische Agenden zu beeinflussen.

Für politische Entscheidungsträger und Wähler ist dies ein wichtiger Hinweis, dass Geld nicht nur Wahlen, sondern auch die Ausrichtung der Politik selbst prägt.

Quelle: Polarized Contributions but Convergent Agendas

IN: