Dolenc: Stablecoins bedrohen Finanzstabilität und Euro-Souveränität
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Dolenc: Stablecoins bedrohen Finanzstabilität und Euro-Souveränität

Primož Dolenc, stellvertretender Gouverneur der Banka Slovenije, warnt vor den Risiken von Stablecoins für die Finanzstabilität und die Währungshoheit. Er betont die Notwendigkeit öffentlicher digitaler Währungen wie des digitalen Euro als Anker der Stabilität.

Dollar-Dominanz und MiCAR-Grenzen

Die Marktkapitalisierung von Stablecoins ist von 170 Milliarden US-Dollar Ende 2024 auf fast 315 Milliarden US-Dollar gestiegen.

Die überwiegende Mehrheit ist in US-Dollar denominiert, was Fragen der Währungshoheit aufwirft.

Europa hat mit der Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCAR) einen umfassenden Regulierungsrahmen geschaffen, der Sicherheit und Transparenz gewährleisten soll.

Dennoch tendiert der Markt stark zum Dollar, während die USA Stablecoins zur Finanzierung ihrer Staatsschulden fördern.

Ein signifikanter Teil des Krypto-Ökosystems, wie dezentrale Finanzmärkte (DeFi), bleibt zudem außerhalb der Regulierung, was zusätzliche Sicherheitsfragen aufwirft.

Dolenc betonte das Prinzip der Einheit des Geldes: Ein Euro muss in jeder Form – ob auf dem Konto, in bar oder digital – gleichwertig und reibungslos konvertierbar sein.

Der digitale Euro und DLT-Brücken

Privat ausgegebene Stablecoins bergen das Risiko einer Fragmentierung des Finanzsystems.

Das Eurosystem konzentriert sich daher auf eigene Lösungen, die über Stablecoins hinausgehen.

Der digitale Euro soll öffentliches Geld als Stabilitätsanker im digitalen Zeitalter sichern: Er wird für alle verfügbar, sicher und unparteiisch sein.

Parallel dazu werden im Eurosystem Experimente zur Abwicklung von Großbetragszahlungen mittels innovativer DLT-Technologien durchgeführt, darunter tokenisiertes Zentralbankgeld und tokenisierte Reserven.

Projekte wie PONTES und APPIA zielen darauf ab, DLT-Plattformen mit traditioneller Infrastruktur zu verbinden oder völlig neue, auf Zentralbankgeld basierende Infrastrukturen zu entwickeln.

Dies soll schnelle und sichere Finanzoperationen ermöglichen.

Währungshoheit in digitalen Händen

Slowenien hat mit der Emission von DLT-Staatsanleihen 2024 eine Vorreiterrolle eingenommen.

Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Innovationen aktiv zu gestalten, statt nur zu reagieren.

Die Zentralbanken müssen die Währungshoheit im digitalen Zeitalter sichern und gleichzeitig ein effizientes, stabiles System gewährleisten.