Staatsverschuldung beeinflusst Geldpolitik-Transmission
Eine neue BIS-Studie zeigt: Das Niveau und die Fälligkeitsstruktur der Staatsverschuldung beeinflussen die Transmission der Geldpolitik erheblich. Höhere Schulden schwächen die Preisreaktion auf geldpolitische Straffung, während der Output mindestens ebenso stark sinkt.
Schuldendynamik verändert Preisreaktion
Die Studie analysiert hochfrequente geldpolitische Schocks im Euroraum von 2001 bis 2020 und belegt, dass die Staatsverschuldung die geldpolitische Transmission maßgeblich beeinflusst.
Höhere öffentliche Schulden sind mit einer schwächeren Reaktion von Preisen und Inflationserwartungen auf eine straffere Geldpolitik verbunden.
Der Rückgang der Wirtschaftsleistung ist in hoch verschuldeten Volkswirtschaften mindestens ebenso groß wie in Ländern mit geringer Verschuldung.
Die Fälligkeitsstruktur der Schulden spielt ebenfalls eine nicht-lineare Rolle: Schulden mit mittleren Laufzeiten sind mit schwächeren Effekten verbunden, während sehr kurze und sehr lange Laufzeiten stärkere Effekte zeigen.
Für europäische Länder außerhalb des Euroraums hängen die Spillover-Effekte der EZB-Geldpolitik zudem von der nationalen Fälligkeitsstruktur der Schulden ab.
Drei Kanäle wirken auf die Transmission
Die Forscher identifizieren drei relevante Kanäle: Erstens, die Neubewertung des Fiskalrisikos, bei der steigende Zinszahlungen die fiskalische Lage verschlechtern und Spreads ausweiten können.
Zweitens, Bewertungseffekte, bei denen höhere Zinsen den Marktwert von Staatsanleihen senken, was zu Kapitalverlusten und einer Belastung der Kreditvergabe führt.
Drittens, Zinsertragseffekte, bei denen höhere Zinszahlungen an Anleihegläubiger die Gesamtausgaben stützen können.
Die quantitative Bedeutung dieser Kanäle hängt vom Schuldenstand, der Fälligkeitsstruktur und der fiskalischen Reaktion ab.
Die Studie verwendet detaillierte Daten auf Wertpapierebene und unterteilt die Schulden in vier Fälligkeitsbereiche, um diese Effekte zu untersuchen.
Empirische Antwort auf eine Kernfrage
Diese Arbeit liefert eine entscheidende empirische Antwort auf die Frage, ob Staatsverschuldung die Geldpolitik-Transmission beeinflusst, was Standardmodelle bislang ignorierten.
Die Ergebnisse fordern eine Neubewertung der fiskalischen Rückendeckung für die Geldpolitik und deren Implikationen.
Für Zentralbanken in hoch verschuldeten Volkswirtschaften sind dies wichtige Erkenntnisse für die Gestaltung ihrer Politik.