Neue CPI-Methode zeigt höhere US-Inflation 1914-2006
Eine neue Studie der Federal Reserve Bank of Philadelphia löst das 'sinkende reale Mieten'-Rätsel im US-Verbraucherpreisindex (CPI). Die Forscher konstruieren eine methodisch konsistente Mietpreisreihe, die die Inflation von 1914 bis 2006 signifikant höher ausweist.
Das Rätsel der scheinbar fallenden Mieten
Die offizielle 'Rent of Primary Residence' (RoPR)-Reihe des Bureau of Labor Statistics (BLS) suggeriert, dass die nominalen Mietpreise in den USA von 1914 bis 2006 jährlich nur um 2,6 Prozent stiegen, während die Gesamtpreise um 3,3 Prozent zulegten.
Dieses 'sinkende reale Mieten'-Rätsel wird von den Autoren Ronan C. Lyons, Allison Shertzer und Rowena Gray auf die inkonsistente Behandlung von Wohnkosten im CPI zurückgeführt.
Sie präsentieren eine neue, methodisch konsistente Mietpreisreihe, basierend auf dem Historical Housing Prices (HHP) Projekt.
Diese alternative Reihe zeigt einen Anstieg der Mietpreise um den Faktor 28,4 (im Vergleich zum Faktor 10,7 der RoPR) und hebt das durchschnittliche CPI-Wachstum von 3,3 Prozent auf 3,6 Prozent pro Jahr an.
Die revidierte Serie eliminiert den langfristigen Rückgang der realen Mieten im CPI und bietet einen neuen Maßstab für die Bewertung von Trends bei den Lebenshaltungskosten und dem Realeinkommen in den USA im 20. Jahrhundert.
Inkonsistenzen in der BLS-Methodik
Die BLS-Methodik zur Erfassung von Mietpreisen wies vor den 1980er Jahren erhebliche Verzerrungen auf.
Insbesondere wurden Mietanpassungen bei Mieterwechseln oder leerstehenden Einheiten oft nicht adäquat erfasst, was zu einer Unterschätzung der Mietinflation führte.
Zudem variierte die Behandlung von Wohnkosten für Eigenheimbesitzer im CPI erheblich.
Ursprünglich nur Mieter-Mieten berücksichtigend, wurde 1953 eine Komponente für Hauskauf und -finanzierung eingeführt, die 1983 durch die 'Owners' Equivalent Rent' (OER) ersetzt wurde.
Diese imputiert eine Miete aus vergleichbaren Wohnungen, um die Kosten der Wohnungsdienstleistungen für Eigenheimbesitzer zu approximieren.
Die neue Studie standardisiert die OER-Konzeptualisierung über den gesamten Zeitraum von 1914 bis 2006.
Ein neues Bild der Kaufkraft
Diese Studie korrigiert ein fundamentales Missverständnis über die Entwicklung der Lebenshaltungskosten in den USA.
Wenn die Mietinflation tatsächlich höher war, bedeutet dies, dass die Kaufkraft der Amerikaner im 20. Jahrhundert weniger stark gestiegen ist als bisher angenommen.
Die Ergebnisse sind entscheidend für historische Analysen von Realeinkommen und die Bewertung langfristiger geldpolitischer Effekte.