Costa warnt vor Finanzstabilitätsrisiken in Chile
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Costa warnt vor Fi­nanz­sta­bi­li­täts­ri­si­ken in Chile

Rosanna Costa, Präsidentin der chilenischen Zentralbank, stellte den Finanzstabilitätsbericht für das erste Halbjahr 2026 vor. Sie betonte die Notwendigkeit, das Finanzsystem auf schwere Schocks vorzubereiten und warnte vor globalen und lokalen Risiken.

Globale Schatten und neue Risiken

Die chilenische Zentralbank hat ein doppeltes Mandat: Geldwertstabilität und Finanzsystemstabilität.

Der halbjährliche Finanzstabilitätsbericht (IEF) analysiert Risikoszenarien, um die Widerstandsfähigkeit des Systems zu bewerten.

Präsidentin Costa betonte, dass der IEF keine Prognosen, sondern mögliche, wenn auch unwahrscheinlichere, Risikobilder zeichnet.

Aktuell dominieren externe Entwicklungen wie der Konflikt im Nahen Osten, der Ölpreise und Inflation beeinflusst.

Global bestehen weiterhin hohe Staatsverschuldung in Industrieländern und hohe Bewertungen risikoreicher Finanzanlagen.

Ein weiterer Fokus liegt auf der Interaktion zwischen Banken und Nichtbanken-Finanzintermediären (NBFIs), deren wachsende Bedeutung und begrenzte Transparenz Bedenken aufwerfen.

Auch die potenziellen Auswirkungen fortgeschrittener KI-Modelle auf die Cybersicherheit von Finanzinstitutionen und -infrastrukturen werden als systemisches Risiko hervorgehoben, das verstärkte Überwachung und Koordination erfordert.

Lokale Märkte und Kreditnehmer

Der lokale chilenische Finanzmarkt folgt den externen Entwicklungen.

Nicht-ansässige Investoren haben ihren Anteil am heimischen Rentenmarkt erhöht, was die Markttiefe fördert, ihn aber auch anfälliger für externe Schocks macht.

Lokale Investmentfonds halten mehr Bankanleihen, was bei größeren Rücknahmen den Wert dieser Instrumente beeinflussen könnte.

Pensionsfonds nutzen Derivate, was ihre kontrzyklische Rolle einschränken könnte, falls Nachschussforderungen fällig werden.

Die finanzielle Anfälligkeit von Haushalten und Unternehmen blieb weitgehend eingedämmt, obwohl die Hypotheken-Delinquenz leicht gestiegen ist.

Die Staatsverschuldung ist aufgrund anhaltender Defizite gestiegen, und die kürzere Laufzeit der Staatsanleihen erhöht die Anfälligkeit für Änderungen der Finanzierungsbedingungen.

Stresstests zeigen, dass die Verschuldung von Unternehmen und Haushalten im Risikofall beherrschbar bleibt, wobei die Banken über ausreichende Kapital- und Liquiditätspuffer verfügen, um auch unter schweren Stressbedingungen solvent zu bleiben.

Vorsicht ist die Mutter der Finanzstabilität

Der Bericht der chilenischen Zentralbank liefert eine umfassende und ehrliche Einschätzung der Finanzstabilitätsrisiken.

Die Betonung von Risikoszenarien statt Prognosen ist ein wichtiger Ansatz, um die Widerstandsfähigkeit des Systems zu stärken.

Obwohl die direkten Risiken für die globale Wirtschaft derzeit begrenzt erscheinen, unterstreicht die Analyse die Notwendigkeit kontinuierlicher Wachsamkeit und proaktiver Maßnahmen.