Himino: Japans Wirtschaft vor Wendepunkt, BoJ-Politik am Scheideweg
Ryozo Himino, stellvertretender Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), analysiert die jüngsten Entwicklungen der japanischen Wirtschaft und die Implikationen für die Geldpolitik der Bank of Japan. Er betont die Notwendigkeit einer vorsichtigen Normalisierung angesichts globaler Unsicherheiten.
Nachhaltige Inflation als Prüfstein
Japans Wirtschaft steht an einem kritischen Punkt, da die Bank of Japan (BoJ) ihre ultra-lockere Geldpolitik schrittweise anpasst.
Himino hob hervor, dass die Inflation im Februar 2026 bei 2,6 Prozent lag, was über dem Ziel von 2 Prozent liegt, aber die Nachhaltigkeit dieses Anstiegs noch nicht gesichert ist.
'Die größte Herausforderung ist nun, die Inflationserwartungen fest zu verankern,' so Himino. Er betonte, dass das Lohnwachstum, das im letzten Quartal 2025 durchschnittlich 3,1 Prozent erreichte, entscheidend für eine dauerhafte Überwindung der Deflation sei.
Die BoJ hatte im Januar 2026 die Negativzinsen beendet und die Zinskurvensteuerung (YCC) aufgegeben, was einen historischen Schritt darstellt.
Die Exportwirtschaft zeige sich robust, während der private Konsum noch verhalten agiere.
Die globalen Lieferkettenprobleme und Energiepreisschocks haben zwar zur aktuellen Inflation beigetragen, nun aber müssen die Binnennachfrage und die Lohn-Preis-Spirale im Fokus stehen, um das Inflationsziel stabil zu erreichen.
Der lange Schatten der Deflation
Die japanische Wirtschaft kämpfte über Jahrzehnte mit Deflation und geringem Wachstum, was die BoJ zu einer der expansivsten Geldpolitiken weltweit zwang.
Himino erinnerte an die 'Abenomics'-Ära, die mit massiven geldpolitischen Lockerungen, fiskalischen Anreizen und Strukturreformen versucht hat, die Wirtschaft zu revitalisieren.
Trotz dieser Bemühungen blieb die Inflation lange unter dem Ziel.
Der aktuelle Inflationsanstieg ist daher ein Novum, das jedoch auch durch externe Faktoren wie den schwachen Yen und importierte Inflation beeinflusst wurde.
Die BoJ steht nun vor der komplexen Aufgabe, den Ausstieg aus der unkonventionellen Politik zu steuern, ohne die Märkte zu destabilisieren oder die mühsam aufgebaute Inflationserwartung wieder zu untergraben.
Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, wie schwierig es ist, einmal verfestigte Deflationserwartungen zu durchbrechen.
Die aktuelle Phase erfordert daher höchste Sensibilität und datenbasierte Entscheidungen, um einen Rückfall in die Stagnation zu vermeiden.
Ein schmaler Grat für die BoJ
Die Bank of Japan bewegt sich auf einem extrem schmalen Grat zwischen notwendiger Normalisierung und dem Risiko einer verfrühten Straffung.
Die Nachhaltigkeit der Inflation hängt stark von der Entwicklung der Löhne ab, die noch nicht robust genug ist, um eine klare Trendwende zu signalisieren.
Für die globalen Märkte bedeutet dies eine anhaltende Unsicherheit bezüglich des Tempos und Umfangs weiterer geldpolitischer Anpassungen in Japan.