Mauderer warnt vor Risiken in fragmentierter und unsicherer Welt
Bundesbank-Vize Mauderer warnt vor Policy-Unsicherheit und externen Vulnerabilitäten als Hauptrisiken für die Stabilität. Sie betonte die Notwendigkeit, die Energieversorgung zu diversifizieren und Handelsbeziehungen zu stärken.
Politische Volatilität belastet Märkte
Die aktuelle hohe Unsicherheit wird maßgeblich durch politische Entscheidungen beeinflusst.
Mauderer verwies auf den politischen Kurswechsel nach der US-Wahl 2024, der zu sprunghaften Zöllen und einer geänderten Klimapolitik führte.
Auch in Europa verschob sich der Fokus von Klimathemen auf Verteidigung und Wettbewerbsfähigkeit.
Akademische Studien belegen die Auswirkungen: Klimapolitik-Unsicherheit reduzierte die US-Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent und private Investitionen um fast 2 Prozent.
Ein Beispiel ist der Wertverlust der globalen Autoindustrie um 65 Milliarden Dollar durch die Rücknahme von E-Fahrzeug-Politiken.
Auch Vorschläge zur Verzögerung strengerer CO2-Regulierungen führten zu einem Einbruch der Aktienkurse europäischer Zementhersteller.
Diese Beispiele zeigen, wie schnell politische Verschiebungen Marktunsicherheit und Asset-Preis-Neubewertungen auslösen können.
Energie-Abhängigkeit und globale Handelsrisiken
Der erneute Konflikt im Nahen Osten erinnert an die Risiken externer Schocks und tiefer Abhängigkeiten von globalen Lieferketten.
Deutschland deckt fast 70 Prozent seines Energiebedarfs durch fossile Importe, Europa rund 60 Prozent.
Zur Reduzierung dieser Vulnerabilitäten muss Europa die eigene Energieproduktion steigern, die Energieallokation innerhalb Europas optimieren und externe Energiequellen diversifizieren.
Erneuerbare Energien sind dabei von Natur aus sicherer, da sie die Abhängigkeit von importiertem Öl und Gas reduzieren.
Dennoch wird eine signifikante Reduktion der Energieimportabhängigkeit Jahre dauern; die Federal Reserve prognostiziert für 2033 noch 53 Prozent Abhängigkeit bei aktuellem Tempo.
Mauderer betonte zudem die Bedeutung offener und diversifizierter Handelspartner, wie die EU-Mercosur- und Indien-Freihandelsabkommen zeigen.
Auch digitale Souveränität ist entscheidend, da die EU noch zu über 80 Prozent von ausländischen Anbietern digitaler Technologien abhängt.
Stabilität als Daueraufgabe
Mauderers Rede unterstreicht die wachsende Komplexität der Stabilitätssicherung in einer multipolaren Welt.
Die Verknüpfung von Geopolitik, Klimawandel und Handel erfordert eine ganzheitliche Betrachtung, die über traditionelle geldpolitische Instrumente hinausgeht.
Ihre Mahnung zur Geduld und Diversifizierung ist ein klares Signal an Politik und Wirtschaft, langfristige Resilienz zu priorisieren.