Woods: Bankenaufsicht ist invasiver als gedacht
Sam Woods reflektiert in seiner Rede über die Natur der Bankenaufsicht. Er beleuchtet, wie sich die Aufsicht im Vereinigten Königreich und international entwickelt hat und welche Rolle sie künftig spielen könnte.
Regulierung vs. Aufsicht: Ein fundamentaler Unterschied
Sam Woods argumentiert, dass "prudential regulation" (Aufsichtsrecht) ein irreführender Begriff sei.
Während ein Teil der Aufgabe darin besteht, Regeln für Banken festzulegen, ist die "Aufsicht" eine viel interventionistischere und kontinuierlichere Tätigkeit als die bloße Überwachung, wie sie in anderen Wirtschaftsbereichen üblich ist.
Diese ungewöhnliche Intensität der Bankenaufsicht in einer kapitalistischen Wirtschaft sei bisher von der Wissenschaft kaum beachtet worden.
Woods betont die Notwendigkeit dieser Aufsicht aufgrund der hohen und anhaltenden Kosten von Finanzkrisen, die im Durchschnitt 43 Prozent des BIP ausmachen können.
Diese Kosten stellen eine Externalität dar, die nicht vollständig von Bankmanagern und Aktionären getragen wird, sondern die gesamte Wirtschaft durch ihre Auswirkungen auf das Wachstum belastet.
Banken stellen eine kritische öffentliche Infrastruktur bereit, indem sie Geld in Form von Einlagen zur Verfügung stellen.
Die Aufsicht stellt sicher, dass der Wert dieser Einlagen stabil bleibt und das Finanzsystem als Ganzes funktioniert.
Vom Inspektor zum Meta-Regulator: Rollen der Aufsicht
Woods skizziert verschiedene Rollen eines Bankenaufsehers: vom "Inspektor", der die Einhaltung von Regeln prüft, über den "Polizisten", der Fehlverhalten bestraft, bis zum "Brandwächter", der kontinuierlich Risiken überwacht.
Weitere Rollen sind der "Lückenfüller" bei unzureichenden Regeln und der "Meta-Regulator", der auf die internen Risikomanagement-Systeme der Banken setzt.
Die Aufsicht entwickelte sich in den USA ab dem frühen 19. Jahrhundert, um die Stabilität der Banknoten zu sichern, mit dem Office of the Comptroller of the Currency (OCC) als nationalem Aufseher ab den 1860ern.
In Großbritannien hingegen blieb die Aufsicht bis in die 1970er Jahre informell und basierte auf Beziehungen, wie das Beispiel von Montagu Norman und den Übersee-Akquisitionen der Banken in den 1920er Jahren zeigt.
Erst nach der Sekundärbankenkrise 1970 erhielt die Bank of England 1979 eine formale Rolle.
Invasiv, aber unverzichtbar
Sam Woods' Analyse unterstreicht die einzigartige und oft übersehene Rolle der Bankenaufsicht, die weit über bloße Regulierung hinausgeht.
Die tiefe Einmischung in die internen Abläufe der Banken ist eine direkte Konsequenz ihrer Funktion als Anbieter öffentlicher Infrastruktur, deren Ausfall systemische Kosten verursacht.
Dies rechtfertigt den scheinbar "statistischen" Ansatz in einer ansonsten kapitalistischen Wirtschaft.
Quelle: Sam Woods: Clinical supervision
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