Breeden warnt vor neuen Finanzmarkt-Risiken
Sarah Breeden, stellvertretende Gouverneurin für Finanzstabilität der Bank of England, warnt vor neuen Schwachstellen im Finanzsystem. Trotz erwiesener Resilienz sieht sie Parallelen zu früheren Krisen.
Vom Schock zur neuen Schwachstelle
Die stellvertretende Gouverneurin der Bank of England, Sarah Breeden, betonte die Resilienz des globalen Finanzsystems angesichts außergewöhnlicher Schocks der letzten sechs Jahre.
Trotz Pandemie, Ukraine-Krieg, Bankenpleiten und dem Gilt-Markt-Stress im Vereinigten Königreich habe das System Schocks absorbiert, statt sie zu verstärken.
Dies sei den Lehren aus der globalen Finanzkrise zu verdanken: Banken halten nun deutlich mehr und qualitativ besseres Kapital und Liquidität.
Makroprudenzielle Instrumente wirken dem Risikoaufbau entgegen.
Breeden warnt jedoch, dass Risiken nicht verschwunden, sondern verlagert wurden.
Insbesondere das marktbasiertes Finanzwesen, das nun die Hälfte der britischen und globalen Finanzanlagen ausmacht, birgt neue Gefahren.
Auch die Staatsbilanzen sind anfälliger geworden, da die Staatsverschuldung in Industrieländern nahe an Nachkriegshochs liegt, was den fiskalischen Spielraum für künftige Schocks reduziert und die Sensibilität gegenüber Marktvertrauensverschiebungen erhöht.
Drei neue Achillesfersen
Breeden hebt drei aktuelle Schwachstellen hervor.
Erstens: die wachsende Bedeutung privater Märkte.
Mit geschätzten 18 Billionen Dollar verwalteter Vermögen bis 2025 sind diese Märkte intransparent, ihre Bewertungen hinken oft der Realität hinterher, und die Verschuldung ist komplex.
Jüngste Ausfälle und Rücknahme-Druck in einigen Fonds schärfen die Aufmerksamkeit.
Zweitens: die Hebelwirkung an Staatsanleihenmärkten.
Hedgefonds nutzen hier zunehmend gehebelte Strategien, was in normalen Zeiten Liquidität stützt, aber Schocks verstärken kann, wie der britische Gilt-Markt 2022 zeigte.
Drittens: überzogene Vermögensbewertungen.
Trotz unsicherer Makro-Aussichten sind globale Risikoprämien komprimiert.
Besonders im US-Tech-Sektor, speziell bei KI-Firmen, erscheinen Bewertungen überdehnt, während die Monetarisierung der Technologie unklar bleibt.
Geschichte reimt sich
Breeden liefert eine nüchterne Bestandsaufnahme: Obwohl das Finanzsystem widerstandsfähiger geworden ist, haben sich die Risiken lediglich verlagert und nehmen neue Formen an.
Die Parallelen zu früheren Krisen sind unüberhörbar, was angesichts geopolitischer Spannungen besondere Wachsamkeit erfordert.
Die Stärke des heutigen makroprudenziellen Rahmens ist entscheidend, um die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Krise zu mindern.
Quelle: Sarah Breeden: This time is different?
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