Altimari: Italiens Finanzsystem – stabil, innovativ, integriert
Sergio Nicoletti Altimari, stellvertretender Gouverneur der Banca d'Italia, attestiert dem italienischen Finanzsystem eine tiefgreifende Transformation und gestärkte Resilienz. Trotzdem bleiben Herausforderungen wie geopolitische Spannungen und die Notwendigkeit tieferer europäischer Integration bestehen.
Zehn Jahre Transformation der Banken
Das italienische Bankensystem hat in den letzten zehn Jahren eine tiefgreifende Transformation durchlaufen.
Nach der globalen Finanzkrise und der Euro-Schuldenkrise, die zu einem starken Anstieg der Staatsanleihen-Spreads und hohen notleidenden Krediten (NPLs) führten, wurde ein intensiver „Reparaturprozess“ eingeleitet.
Durch die Stärkung der Aufsicht (SSM, Basel III) und gezielte Maßnahmen wie ein Verbriefungsprogramm mit Staatsgarantien konnten die Brutto-NPLs bis 2019 von ihrem Höchststand von rund 350 Milliarden Euro im Jahr 2015 mehr als halbiert werden.
Die Kapitalquoten verbesserten sich durch Rekapitalisierungen und Risikoreduzierung erheblich, und die Liquiditätspuffer stiegen.
Auch die Profitabilität hat sich in den letzten Jahren deutlich erholt, mit einem Return on Equity (ROE) von fast 14 Prozent seit 2023.
Effizienzgewinne durch Digitalisierung, wie ein Rückgang der Filialen um 35 Prozent und des Personals um 12 Prozent, trugen dazu bei.
Die Konsolidierung schreitet voran, die Anzahl der Banken sank von 500 im Jahr 2015 auf heute 129. Der CET1-Kapitalpuffer liegt nun bei fast 16 Prozent.
NBFIs, globale Risiken und Europas Weg
Das italienische Finanzsystem bleibt bankenzentriert; Nichtbanken-Finanzintermediäre (NBFIs) erreichen nur 140 Prozent des BIP.
Die Fragmentierung der europäischen Kapitalmärkte begrenzt die Skalierung und fördert Kapitalabflüsse.
Ausländische NBFIs spielen eine wachsende Rolle an den Staatsanleihemärkten, bergen aber Volatilitätsrisiken.
Die privaten Kapitalmärkte Italiens sind unterentwickelt, zeigen jedoch Wachstumspotenzial.
Globale Risiken, wie der Nahostkonflikt und dessen Auswirkungen auf Energiepreise, stellen eine Herausforderung dar.
Italiens BIP-Prognose wurde auf 0,5 Prozent für dieses und nächstes Jahr korrigiert.
Hohe Staatsverschuldung bleibt eine Schwachstelle.
Eine tiefere europäische Finanzintegration ist entscheidend, wofür die Vollendung der Bankenunion (EDIS) und ein gemeinsamer europäischer sicherer Vermögenswert unerlässlich sind.
Das Eurosystem modernisiert zudem die Zahlungsinfrastruktur durch den digitalen Euro und die DLT-Integration in TARGET2 und TIPS.